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15. November 2018

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Innovation für Verkehrssysteme und kritische Infrastrukturen

Innovation für Verkehrssysteme und kritische Infrastrukturen© Bilderbox.com

TU Wien und FH Technikum Wien starten gemeinsames Doktoratskolleg zum Thema „Resilient Embedded Systems“. Verbindung von Grundlagenforschung und wirtschaftsorientierte Innovation soll qualifizierten Technologietransfer zu den Schwerpunkten Industrie 4.0, autonomes Fahren, Verkehrsleitsysteme und die Digitalisierung von kritischen Infrastrukturen bringen.

„Resilient Embedded Systems“ gehören zum Forschungszweig der „Cyber Physical Systems“, die das Herzstück von Industrie 4.0-Anwendungen bilden. Beim neuen Kolleg werden in Summe 20 Doktoranten die nächsten fünf Jahre je nach Schwerpunkt und Zugehörigkeit der Betreuer an der TU Wien oder der FH Technikum Wien arbeiten und mit ihren Dissertationen neue Erkenntnisse und Lösungsansätze für Industrie 4.0 und andere Gebiete der Digitalisierung entwickeln. Die Ergebnisse stehen auch Wirtschaft und Industrie zu Verfügung und sollen somit einen direkten Technologietransfer schaffen.

Zentrale Forschungsfelder
In der Zusammenarbeit der TU Wien und Fachhochschule Technikum Wien wird die gesamte Wertschöpfungskette von der Grundlagenforschung über anwendungsorientierte Forschung bis zur Entwicklung mit unterschiedlichen Schwerpunkten bedient.
Die Forschungsfelder im Rahmen des Doktoratskollegs werden beispielsweise die zuverlässige Kommunikation zwischen Systemkomponenten oder der Aufbau selbstheilender Hardware auf Basis asynchroner Logik sein.
In anderen Arbeiten geht es um das Thema „Security“, insbesondere den Schutz von sicherheitskritischen Embedded Systems vor Manipulation oder Hackerangriffen. Auch die Verifikation eingebetteter Systeme im Bereich medizinischer Implantate wird in einer Dissertation behandelt, mit dem Ziel, für den Patienten größtmögliche Sicherheit zu gewährleisten.
In einer globalisierten Forschungslandschaft ist die internationale Ausrichtung ein wesentlicher Bestandteil. Im Doktoratskolleg werden daher auch international angesehene Forscher als Gastprofessor eingeladen, die entsprechend ihrer Reputation und fachlichen Nähe zu den Dissertationsthemen ausgewählt werden. Die Lehrenden kommen etwa aus Italien, USA, Belgien, Großbritannien, Brasilien, Israel oder Australien.

Zugangsvoraussetzungen
Das Doktoratskolleg „Resilient Embedded Systems“ ist als Anstellung von 30 Wochenstunden für 4 Jahre konzipiert. In zwei sogenannten Kohorten, die im Oktober 2018 und 2019 starten, werden jeweils zehn Dissertanten aufgenommen. Die Bewerber müssen sich schriftlich für das Doktoratskolleg bewerben. Im Rahmen eines mehrstufigen Auswahlverfahrens werden die Doktoranten schließlich vom Scientific Board nach einem Hearing ausgewählt und bestätigt.
Das erste Studienjahr dient als Einstiegsphase, in der eine gemeinsame Wissensbasis geschaffen wird. Danach starten die Doktoranten in ihre Forschungsarbeit, ergänzt durch Kurse bei Gastvortragenden und themenspezifische Vertiefungen. Zusätzlich bieten Lehrveranstaltungen Unterstützung in Bereichen wie Forschungs- und Karriereplanung, Wissenschaftsphilosophie oder Innovationsgrundlagen.

Gemeinsame Basis von Uni und FH als bildungspolitische Innovation
„Wir wollen mit diesem Pilotprojekt zeigen, wie ein strukturierter Zugang von der FH zum Doktoratsstudium organisiert werden kann. Der hohe Qualitätsanspruch setzt voraus, Partner mit entsprechenden Forschungskompetenzen zu identifizieren und die besten Studierenden unabhängig von Nationalität, Geschlecht oder System der Vorbildung zu finden“, erklärt Sabine Seidler, Rektorin der TU Wien.
„Mit dem gemeinsamen Doktoratskolleg ist es uns gelungen, eine eigene hochwertige wissenschaftliche Ausbildung zu schaffen. Für uns ist es eine Bestätigung der jahrelangen Forschungsarbeit im Schwerpunkt Embedded Systems und das Projekt belegt zudem, dass FH und Uni gemeinsam forschen können“, so Fritz Schmöllebeck, Rektor der FH Technikum Wien.

Große wirtschaftspolitische Relevanz für Industrie
„Ausbildungen im Bereich der Industrie 4.0 sind von enormer Bedeutung für die heimische Industrie, insbesondere vor dem Hintergrund des bestehenden Engpasses von Hochqualifizierten im MINT-Bereich. Zuletzt konnte jede 6. MINT-Stelle nicht besetzt werden, in Summe waren das 1900 Stellen im produzierenden Bereich“, erläutert Christoph Neumayer, Generalsekretär der Industriellenvereinigung (IV).
„Wir sehen insbesondere in der expliziten internationalen Ausrichtung des Kollegs einen wichtigen Hebel, um Talente weltweit anzuziehen. Österreich braucht Wissenschafts- und Innovationsnachwuchs - in diesem Sinne zählen wir auf die Innovationskraft der jungen Forscher. Zudem ist uns der Transfer der Forschungsergebnisse in die Industrie wichtig“, so der IV-Generalsekretär.

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red/czaak, Economy Ausgabe Webartikel, 12.10.2018