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18. September 2018

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„In Österreich müssen wir uns auch große Schritte zutrauen.“

Video: 

(Video/Text; german/english) Das Unternehmen books & docs wurde 2013 von Rene Heinzl gegründet und ist primär an der Schnittstelle zwischen gedruckten und digitalen Inhalten und Produktionsformen tätig. Economy sprach mit dem Entrepreneur über Gründungserfahrungen und sinnvolle Business-Modelle, über den Stress durch Studiengebühren und warum unser Bildungssystem nur im Ausland gelobt wird.

Economy: Rene Heinzl, Gründer von books & docs, welche Erfahrungen gab es im Rahmen der Unternehmensgründung?

Rene Heinzl: Für mich war die Unternehmensgründung in Österreich nicht so schwierig wie oft dargestellt. Wenn das Business-Modell nicht funktioniert, ist es egal ob ich für die Gründung 5.000 oder 17.000 Euro einzahlen muss.
Will man als junger Mensch ein Unternehmen gründen und hat die 17.000 nicht, ist es natürlich ein Hemmnis. Hat man das Geld, sollte der Fokus auf ein Business-Modell sein.
Ich hab das Unternehmertum noch nie bereut und würde auch nie zurück in ein Angestelltenverhältnis gehen. Ich sehe einfach mit meinen Mitarbeitern was man neu schaffen kann.

Sie waren im Rahmen Ihrer Ausbildung auch bei Sony in Tokyo und bei Intel in den USA. Welche Vergleiche zu Österreich und welche Erfahrungen gibt es da?
Wenn man selbst Karriere machen will, ist Amerika ein unglaublich tolles Land, Intel ist ein tolles Unternehmen. Als Unternehmer könnte man dort in fünf Jahren das lernen, was in Europa durch die Umsatzgröße gar nicht existiert.
Auch im Halbleiterbereich, der in Europa eigentlich sehr schwach ausgebaut ist. Tokyo andererseits ist stark emotional geführt, dort gibt es starke Ranghierachien. Diese Hierachien sind bereits in der Grammatik verankert dort.
Man kann sich als Österreicher und Wiener nicht vorstellen auf einem kleinen Bereich 8 Mio. Leute zu haben, hunderttausende Leute auf der Strasse, in U-Bahnen.
Das war auch der Grund wieder zurück nach Österreich zu kommen. Ich habe gesehen wie schön wir es hier in Österreich haben wenn man ein bisschen von der Welt mitbekommt.

Ihr eigener Ausbildungsweg?
Ich hab mein Studium selbst finanziert, da ich aus einer Familie komme, wo das Geld für ein Studium einfach nicht vorhanden war. Ich war einer der Leidtragenden der Studiengebühren.
Auch wenn 300, 400 Euro im Semester nicht viel erscheinen, neben der monetären Sicht ist diese Arbeitszeit ein zusätzlicher Stressfaktor.
Rückblickend weiß ich nicht ob es geschadet hat, man kann sich besser optimieren.
Ich habe dieses Universitäts- und HTL-System schätzen gelernt. Gerade in Amerika, wie sehr das Ausland auf unser Bildungssystem schaut, wie die HTLs hoch gelobt sind erfahrt man erst im Ausland und nicht in Österreich.

... der Prophet gilt im eigenen Lande leider nichts.
Viele Länder beneiden uns um ein HTL-Konzept, das mit einer Meisterprüfung, mit einem technischen Beruf gleich zu setzen ist und dazu noch eine Studienberechtigung gibt.
Wir haben ein duales Ausbildungssystem, wo in Österreich wahrscheinlich gar nicht so verstanden wird wie stark das System ist.
Im Ausland sagen größere Unternehmen wie toll diese Leute sind die da raus kommen, die können nicht nur die Theorie, aus der AHS etwa, sondern auch das Praktische.
Deswegen sag ich auch immer, junge Leute die Karriere machen wollen, müssen ein bis zwei Jahre raus gehen um Österreich schätzen zu lernen und auch die Qualität der Bildung zu sehen. Wir haben eine außerordentlich gute Bildungslandschaft.

Es gibt viele Forschungsförderungsprogramme, die eigentlich genau an der Stelle KMU ansetzen sollten?
Wir haben auch eine sehr gute Förderlandschaft. Als junger Mensch habe ich davon stark profitiert, zuerst einen FWF-Grant gewonnen in meiner Vor-Doktorarbeit und danach in einem Doppler-Labor mitarbeiten. Das sind alles Forschungsförderungen.
In Österreich haben wir immer das Problem der fehlenden Anschlussfinanzierung nach der Gründungsphase. Diesen Anschluss zu schaffen ist leider ein Problem und das wird oft nicht wahrgenommen.
Ein Unternehmen von einer Million auf zehn Millionen zu bringen ist nicht das gleiche wie ein Unternehmen aus dem Fleck weg auf eine Million zu bringen. Das wird in Österreich noch viel zu wenig unterstützt, auch weil wir zu spät damit angefangen haben.

Lösungsvorschläge?
Die Bankenfinanzierung ist in Österreich da facto leider auch nicht mehr existent. Durch Basel III und Basel IV können die Banken das nicht mehr unterlegen weil das Risiko nicht mehr bestimmbar ist. Zum Glück gibt es Venture-Capital-Fonds.
Man müsste privaten Investoren andere Möglichkeiten schaffen. Jetzt wird grad’ wieder KESt für Kleinanleger diskutiert. Das sind alles richtige Schritte aber in Österreich müssen wir uns manchmal auch diese großen Schritte zutrauen.
Wenn wir große mutige Schritte probieren, würden wir in einigen Jahren sehen, dass das auch Früchte trägt. (red/czaak)

Link: www.bd421.com

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“In Austria we need a bit more confidence in taking big steps.”

The company books & docs was founded in 2013 by Rene Heinzl and is primarily involved in the interface between printed content, digital content and forms of production. Economy talked to the entrepreneur about his start-up experience and meaningful business models, about the stress caused by the cost of education and why our educational system only receives praise abroad.

Economy: Rene Heinzl, Founder of books & docs, what was your experience of starting your own business?
Rene Heinzl: For me, starting a business in Austria was not as difficult as it is often described. If the business model does not work, it doesn’t matter whether the start-up costs are 5,000 or 17,000 euros.
If you want to start a business as a young person and you don’t have the 17,000, then naturally that will hinder the business. If you do have the money, then the focus should be on a business model.
I have never regretted the whole business side and would definitely never go back to being an employee. I join my co-workers in seeing what innovations we can create.

Part of your educational background is with Sony in Tokyo and Intel in the USA. How does that compare with Austria and what experiences can be gained there?
If you want to make a carrer, then America is an unbelievable platform. Intel is an amazing company. In that place, you can learn entrepreneurial skills in five years that do not even exist in Europe, due to the size of sales.
This includes the microchip business as well, which is very weak in Europe. Tokyo, on the other hand, has a very anxious management style. There are strong hierarchical currents there.
Hierarchies there are deeply engrained in the country’s grammar. It is hard to imagine Austrians and Viennese people coping with a relatively small area of 8 million inhabitants. Hundreds and thousands of people on the streets and in the metro.
That was another reason for coming back to Austria. I know how nice we have it here in Austria if we keep an eye on what the rest of the world is doing.

Let’s follow your own educational path.
I financed my studies myself because I come from a family which simply did not have any spare money for studying. I was one of the victims of the introduction of university fees.
Even though 300 or 400 euros per semester may not seem much, earning this money constitutes an additional strain, top of other commitments. In retrospect, I don’t know that it did any harm; it helps hone your skills.
Over time, I have learnt to appreciate the university and the HTL system more. Especially in America, they take a look to our educational system with a high appreciation and this you even get to know in a foreign country – and not at home in Austria.

... a prophet does not count for anything in his own country.
Many countries envy our HTL concept, whereby a master’s degree can be applied to a technical trade and can also involve an entitlement to study. We have a dual educational system and Austria does not appear to understand grasp what a powerful system it is.
Abroad, big companies say, “How amazing! These people have come out of this system – they know not only the theory, for instance, about Secondary schools, but they know the practical side of things as well!
So I always say, young people who want to start a career should go away for a couple of years in order to appreciate Austria and the quality of the education they have received. We have an exceptionally good educational landscape.

There are many research development programmes which should start precisely at this SME point.
We also have a very good research landscape. As a young person I greatly benefited from it, first by being awarded an Austrian Science Fund grant for my pre-doctorate work and, afterwards, by being allowed to work in a Doppler laboratory. These are all research opportunities.
In Austria, we always have a problem of a shortage of follow-on financing after the foundation phase. Follow-on financing is unfortunately problematic and people often don’t realise that.
Raising a company’s value from one to ten million is not the same as bringing up a company from scratch until it’s worth the first million. This is still receiving very little support in Austria, also, we set about it too late.

Any ideas about solving this?
Unfortunately, banks in Austria are no longer in a position to provide funding. Since Basel III and Basel IV, banks can no longer provide loans because the risks involved are non-calculable.
Fortunately, there are Venture Capital Funds. Private investors should be provided with other opportunities, as well. Just now there are discussions about KESt (Capital Gains Tax) for small investors. These are all the right sort of steps, but in Austria we sometimes need the confidence to take big steps.
If we try taking big, brave steps, in a few years we will see that this sort of decision-making brings its own reward.

Links

red/czaak; translation by economy, Economy Ausgabe Webartikel, 14.02.2017