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20. Mai 2019

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Cannabis führt vor Kokain und Ecstacy

Cannabis führt vor Kokain und Ecstacy© Piqs.de/Sebno1

Aktuelle Abwasseranalyse der Gerichtsmedizin Innsbruck untersucht Österreichische und Südtiroler Kläranlagen auf Drogenrückstände. In Österreich Cannabis an Spitze, in Südtirol steigt Kokainkonsum. Konsum von Crystal Meth und Ecstacy eher gering.

Die Gerichtliche Medizin der Medizinischen Universität Innsbruck (GMI) als Teil des europaweiten Netzwerkes SCORE untersucht in Zusammenarbeit mit der EU-Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht jährlich die Mengen verbotener Substanzen in den Abwässern europäischer Städte. 2018 wurden europaweit die Abwässer von 97 Kläranlagen in 84 Städten oder Regionen analysiert, darunter auch die Abwässer von vier österreichischen und einer Südtiroler Kläranlage.
In dem von der GMI organisierten Teil der Studie wurde der Drogenkonsum in den Kläranlagen Innsbruck, Hall-Wattens, Hofsteig, Millstättersee und Bozen untersucht. Das Abwasser dieser fünf Kläranlagen stammte von insgesamt 70 Gemeinden mit rund 514.000 Einwohner. Die Studie ist die umfangreichste ihrer Art in Österreich und liefert erstmals auch Daten zu THC, dem Wirkstoff in Cannabis, sowie für die Region Südtirol.

Regionale Unterschiede
„Die Ergebnisse unserer chemischen Analysen werden von der Europäische Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (EMCDDA) in Lissabon für den europäischen Drogenbericht verwertet werden“, erläutert Herbert Oberacher, Leiter des forensisch-toxikologischen Forschungslabors an der Innsbrucker Gerichtsmedizin. „In jeder Kläranlage konnten wir Drogenrückstände nachweisen. Unterschiede gibt es bei der Pro-Kopf-Menge sowohl auf Ebene der untersuchten Substanzen als auch auf Ebene der einzelnen Kläranlagen“, so Oberacher weiter.
Im Fokus standen die verbotenen Substanzen Tetrahydrocannabinol (THC, Wirkstoff in Cannabis), Kokain, Amphetamin (Wirkstoff in Speed), der Ecstacy-Wirkstoff MDMA (3,4-Methylendioxy-N-Methylamphetamin) und Methamphetamin (Crystal Meth). Mit den vorliegenden Ergebnissen ist es nun möglich, den Drogenkonsum von zumindest 4% der österreichischen, 31% der Tiroler, 18% der Vorarlberger, 10% der Kärntner und 30% der Südtiroler Bevölkerung abzubilden.

Regelmäßiger Konsum
Die Abwasseranalysen ergaben, dass insgesamt rund 6 bis 15 Gramm Drogen pro Tag pro 1000 EinwohnerInnen konsumiert werden. Über 90% dieser Menge entfällt in Österreichs Abwässern auf THC und 4 bis 8% auf Kokain. Im Bozner Abwasser war der relative Anteil von Kokain höher (82% THC und 18% Kokain). Amphetamin, MDMA und Methamphetamin machten in allen Abwässern zusammen weniger als 1% der nachgewiesenen Drogenmengen aus.
„Die Abwasserdaten lassen mutmaßen, dass ein gewisser Anteil der Bevölkerung regelmäßig Drogen konsumiert. Die höchsten Pro-Kopf-Mengen an Drogen waren im Innsbrucker Abwasser zu beobachten. Nur bei Kokain lag das Bozner Abwasser vorne“, so Oberacher. Eine auf Basis der Abwasserdaten erfolgte Schätzung ergibt einen Schwarzmarktwert der konsumierten Drogen von 10 bis 100 Millionen Euro pro Region oder ein österreichweites Umsatzvolumen von weit über einer Milliarde Euro pro Jahr.

Verdoppelung des Kokainkonsums
Neben der geographischen Auflösung zeichnet sich die Abwasseranalyse auch durch eine hohe zeitliche Auflösung aus. Übliche Praxis ist die Analyse von tagesspezifischen Proben. Auf diese Weise lassen sich Unterschiede im Konsumverhalten im Wochenverlauf erkennen. So sind etwa am Wochenende höhere Kokain-, MDMA- und Amphetaminmengen im Abwasser zu finden als unter der Woche.
Die Abwasseranalyse ermöglicht aber auch die Durchführung eines Langzeit-Monitorings. So wurde in den letzten drei Jahren das Innsbrucker Abwasser an mehr als 200 Tagen auf Drogenrückstände hin untersucht. „Innerhalb von zwei Jahren hat sich die im Innsbrucker Abwasser nachweisbare Menge an Kokain in etwa verdoppelt“, unterstreicht Oberacher

Bestätigter Nutzen für Drogenpolitik
Durch ein kontinuierliches Monitoring von Drogenwirkstoffen im Abwasser lassen sich kostengünstig, schnell und zeitnah sowie mit hoher räumlicher und zeitlicher Auflösung Trends und Entwicklungen am Drogenmarkt erkennen. Die erhobenen Daten sollen den staatlichen Behörden und den politisch Verantwortlichen Entscheidungshilfen liefern, um geeignete Maßnahmen für eine nachhaltige Drogenpolitik ausarbeiten und umsetzen zu können.
„Die Erfahrungen, die wir über die letzten Jahre mit dem Abwasser-basierten Drogenmonitoring gesammelt haben, belegen das große Potenzial der Methode. Daher hoffen wir auf die notwendige politische Unterstützung, um das Monitoring in Zukunft auf noch mehr österreichische Regionen ausdehnen zu dürfen“, resümiert Herbert Oberacher als verantwortlicher Projektleiter.

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red/czaak, Economy Ausgabe Webartikel, 14.03.2019