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14. Dezember 2017

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Das Engelswesen, das dann doch nicht leben darf

Das Engelswesen, das dann doch nicht leben darf© piqs.de/sharon pruitt

Menschen jenseits von männlich und weiblich: Ein vom FWF gefördertes Projekt untersuchte, wie Intergeschlechtlichkeit in der zeitgenössischen deutschen Literatur behandelt wird.

Im Projekt „Diskursverhandlungen in Literatur über Hermaphroditismus“ untersuchten Susanne Hochreiter und Angelika Baier zeitgenössische literarische Texte zum Thema Hermaphroditismus. Das Ergebnis in aller Kürze: So unsicher die Gesellschaft dem sogenannten dritten Geschlecht gegenüber ist, so unsicher zeigt sich auch die Literatur.

Zwischen Abscheu und Faszination
Als einen häufigen Topos haben die Forscherinnen dabei „die Beschreibung des Hermaphroditen als engelsgleiches Wesen, das dann doch nicht leben darf“ identifiziert. Vielfach reflektiert die Literatur dabei die Mischung aus Abscheu und Faszination, mit der Hermaphroditen oft begegnet wird: Abscheu vor dem uneindeutigen Monster, nicht Mann, nicht Frau; Faszination ob der puren Schönheit dieses Wesens.
Untersucht wird Intergeschlechtlichkeit im Rahmen des Projekts in fünf verschiedenen Bereichen: in autobiografisch orientierten Texten, in Texten im Familienrahmen, in Kriminalromanen, in Romanen, die Hermaphroditen als übermenschliche Engel thematisieren und in Texten, die Intergeschlechtlichkeit über groteske Körperdarstellungen abhandeln. Dass dem Kriminalroman in der Darstellung von Hermaphroditen eine wichtige Rolle zukommt, überrascht übrigens nur vordergründig: Als Vertreter des Fremden, des Uneindeutigen bieten sich Hermaphroditen-Figuren für dieses Genre durchaus an.

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red, Economy Ausgabe Webartikel, 20.11.2017