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26. März 2019

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Die Arbeitswelten im Wandel

Die Arbeitswelten im Wandel@piqs.de/D. Schmahl

Flexibles Arbeiten, Transparenz bei Gehältern und ein besserer Schutz vor Belästigung und Diskriminierung am Arbeitsplatz sind für Personalverantwortliche die wichtigsten Anforderungen bei Jobvergaben, so eine aktuelle Studie von LinkedIn.

Soft Skills gewinnen im modernen Berufsleben zunehmend an Relevanz. 80 Prozent der im Rahmen des internationalen LinkedIn-Reports befragten 5.000 Personalmanager schreiben ihnen eine wachsende Bedeutung für den Unternehmenserfolg zu. 92 Prozent sind der Ansicht, dass Soft Skills eine ebenso hohe oder sogar höhere Bedeutung zukommt als Hard Skills. Fähigkeiten wie Kreativität, Überzeugungskraft, Teamarbeit oder Flexibilität sind Arbeitgebern dabei besonders wichtig.
Während sich die Hard Skills von Bewerbern mittels Zertifikate, Zeugnisse oder Einstellungstests überprüfen lassen, fehlt es bei der Beurteilung von Soft Skills oft an einer strukturierten Vorgehensweise. 68 Prozent der Personaler verlassen sich hauptsächlich auf die im Vorstellungsgespräch gesammelten Eindrücke. Nur 41 Prozent beurteilen Soft Skills im Rahmen eines festen Prozesses.

Flexibilität versus Geld
Die Mehrheit der Personaler (87 Prozent) gibt an, dass ihr Unternehmen mittlerweile flexibles Arbeiten anbietet. Zwischen den einzelnen Branchen bestehen jedoch signifikante Unterschiede: In der Software-Branche etwa setzen 72 Prozent der Unternehmen entsprechende Modelle um, in der Fertigungsindustrie sind es hingegen nur 43 Prozent. Am wichtigsten ist flexibles Arbeiten in Nordeuropa. 85 Prozent der befragten Personalverantwortlichen geben hier an, dass das Angebot solcher Arbeitsmodelle bei der Mitarbeitersuche von großer Bedeutung ist. In Deutschland, den USA und Großbritannien sagen das 75 Prozent und in China nur 52 Prozent.
Beim Thema Geld informieren 27 Prozent der Unternehmen ihre Mitarbeiter und Bewerber schon jetzt über etwaige Gehaltsspannen. Für 22 Prozent ist es wahrscheinlich, dass sie in den nächsten fünf Jahren damit beginnen. Mit nur 34 Prozent messen deutsche Personalmanager der Gehaltstransparenz im internationalen Vergleich die geringste Bedeutung zu. Vergleichsweise halten 52 Prozent der US-amerikanischen, 50 Prozent der französischen und 50 Prozent der britischen Personaler dieses Thema für einen wichtigen Trend.

Belästigung und Diskriminierung am Arbeitsplatz
Belästigung und Diskriminierung am Arbeitsplatz kommen in allen Branchen und auf allen Hierarchieebenen vor. Das Problembewusstsein dafür wächst jedoch bei vielen Arbeitgebern und Arbeitnehmern. 80 Prozent der Personaler sagen, dass ihr Unternehmen in jüngerer Zeit präventive Maßnahmen ergriffen hat und 75 Prozent geben an, dass sich Mitarbeiter im Umgang mit diesem Thema heute anders verhalten als noch vor zwei Jahren.
Im internationalen Vergleich zeigt sich, dass kontinentaleuropäische Personalverantwortliche das Thema seltener auf der Agenda haben als ihre Kollegen aus anderen Teilen der Welt. In Indien halten 87 Prozent der Personaler die Umsetzung von Maßnahmen gegen Belästigung und Diskriminierung für einen wichtigen Trend, in Australien sind es 76 Prozent und in den USA 74 Prozent. In Deutschland sind vergleichsweise nur 47 Prozent, in Frankreich 54 und in Italien 57 Prozent.
„Wir erleben eine Arbeitswelt im Wandel“, sagt Barbara Wittmann, Mitglied der Geschäftsleitung von LinkedIn Dach (Anm. Deutschland/D, Österreich/A und Schweiz/CH). „Beim flexiblen Arbeiten geht es zum Beispiel um ein wachsendes Bedürfnis nach einer selbstbestimmten Lebensgestaltung. Hinzu kommen technische Entwicklungen, die Konzepte wie Remote Working überhaupt erst möglich machen. Andere Trends haben einen politischen Hintergrund, etwa die Debatten um Belästigung und Diskriminierung am Arbeitsplatz“, ergänzt Wittmann die Ergebnisse des LinkedIn-Reports.

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red/czaak, Economy Ausgabe Webartikel, 28.02.2019