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13. November 2018

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„Die gleiche Sinnlichkeit wie Klimt und Schiele.“

Video: 

(Video/Text) Handwerkliche Qualität und die Obsession für den weiblichen Akt eint das malerische Werk von Alfred Kornberger mit dem von Egon Schiele und Gustav Klimt. Anlässlich der zu Ende gehenden Werkschau im Auktionshaus Im Kinsky sprach economy mit Franz Smola, Kurator und Herausgeber des Kornberger-Werkverzeichnisses über die österreichische Tradition der körperbetonten Kunst und über die Alleinstellungsmerkmale von Kornbergers Werk im kunsthistorischen Kontext.

Economy: Franz Smola, Kurator im Leopold Museum und Kunstwissenschafter. Wofür steht der Künstler Alfred Kornberger inhaltlich und handwerklich?
Franz Smola: Der Künstler steht meiner Meinung nach für die große österreichische Tradition der körperbetonten Darstellung. Der weibliche Körper steht in seinem Mittelpunkt und hier reiht er sich ein in eine Tradition, die schon Klimt und Egon Schiele begründet hat, die herauf geht bis zum Wiener Aktionismus.
Bei Kornberger kommt noch das malerische Element dazu, Neoexpressionismus, den wir bei den sogenannten Neuen Wilden in den 80er-Jahren sehen. Hier reiht er sich ein auch in eine Tendenz, die zu der Zeit ganz führend war, etwa diese starken Farben.

Stichwort Klimt, Schiele: Auch der große Sammler Rudolf Leopold hat ihn immer wieder mit Egon Schiele verglichen, Kornberger ist auch Bestandteil der Sammlung Leopold. Wo sehen Sie hier Gemeinsamkeiten oder etwaige Gegensätzlichkeiten?
Kornberger hat mit Klimt und Schiele diese Obsession für den weiblichen Akt gemeinsam. Bei Klimt und Schiele wissen wir, dass für sie der weibliche Körper das Modell war. Sie haben vor allem in den Zeichnungen immer wieder Frauenakte dargestellt.
Und auch Kornberger reiht sich ein in diese Tradition. Er schafft, auch im Genre der Ölmalerei ständig den weiblichen Akt. Aber anders als Klimt und Schiele ist Kornberger natürlich ein Vertreter des späten 20. Jahrhunderts.
Das Grundelement, das Anliegen, dass Klimt und Schiele und auch Kornberger verbindet ist die Verehrung für den Akt, die Sinnlichkeit. Auch wenn Kornberger deformierend ist, wenn er entstellend ist, die Sinnlichkeit durch die Form und Farben ist immer spürbar.

Kornberger hat neben dem weiblichen Akt auch andere Zyklen gemacht, Gegenständliches oder Insekten zum Beispiel...
... Kornberger hat nicht nur den weiblichen Akt als Motiv gewählt sondern versucht Gegensätze herzustellen und da verwendet er oft ganz artfremde, ungewöhnliche Objekte wie etwa das Fahrrad oder Insekten oder Spinnendarstellungen, die dann eine ganz neue Kombinationsmöglichkeit mit dem weiblichen Akt hervorrufen.
Oder er lässt den Akt in sich oder in diese Gegenstände verwandeln. Er schafft gleichsam Hybride oder Metamorphosen zwischen Insekten, Blumen und Körpern.
In dieser Weise ist das wirklich einzigartig und das gibt es auch in dieser Zeit generell nicht.

Bleiben wir ganz kurz bei diesen Zyklen. Ein besonderer Zyklus ist der „Zeus“, maschinenartige Gebilde, in dem Fall der Kontext Fahrrad. Wie ist dieser Zyklus kunsthistorisch einzuordnen?
Auch dieser Zyklus Zeus ist sehr ungewöhnlich. Ein weiblicher Akt, der mit dem Fahrrad gleichsam in Zwiesprache tritt und auch körperlich eine erotische Annäherung mit dem Fahrrad, das gibt es in der österreichischen Kunstgeschichte eigentlich kaum.
Allein die Idee ist wirklich sehr eigenständig von Kornberger. Das hat er sich ausgedacht, das ist in ihm gewachsen. Über Jahrzehnte lang gibt es diesen Zeus-Zyklus, beginnend von den 70er-Jahren über die 80er bis in die 90er-Jahre immer wieder Zeus in Gestalt des Fahrrades, einer Art Deformierung des Fahrrades in Verbindung mit dem weiblichen Körper.
Das zieht sich über seine ganzen Schaffensjahre hinweg.

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red/czaak, Economy Ausgabe Webartikel, 16.03.2017