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27. Mai 2018

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DOT oder die offene Tür

DOT oder die offene Tür© Bilderbox.com

Niederösterreich wird Modellregion zur Erforschung der psychischen Gesundheit von Schulkindern. Das neue Forschungsprojekt "D.O.T. – Die offene Tür" behandelt primär die soziale Verbundenheit zwischen Kindern beim Wechsel von der Volksschule in die nächste Schulstufe.

"Beim Wechsel in eine andere Schule verlieren Kinder oft wichtige Bezugspersonen oder sogar ihr gesamtes bisheriges soziales Netz und müssen ihren Platz in der neuen Gruppe erst wieder finden“, so Beate Schrank, Fachärztin für Psychiatrie und psychotherapeutische Medizin, anlässlich der Vorstellung von "D.O.T. – Die offene Tür".
„Hier besteht die Gefahr, dass Kinder den Anschluss verlieren, aber gleichzeitig die Chance für einen Neustart. Gelungene soziale Integration ist eine wichtige Ressource für Kinder, um gesund erwachsen zu werden und fördert deren Selbstwertgefühl“, betont Schrank. Sie wird die Forschungsgruppe mit Sitz in Krems leiten, die von der Ludwig Boltzmann Gesellschaft (LBG) in Kooperation mit der niederösterreichischen Karl Landsteiner Privatuniversität für Gesundheitswissenschaften (KL) gegründet wurde.

Angebot für Kinder zwischen neun und zwölf Jahren
Zu den neuen Maßnahmen zählen etwa Workshops an Schulen, die soziale Integration spielerisch thematisieren, sowie als zentrale Anlaufstelle für Kinder die Entwicklung eines digitalen sozialen Netzwerks mit Lernspielen, wo Kinder Fertigkeiten wie Emotionsregulation oder Empathie üben können.
"Diese Maßnahmen sind für alle Kinder zwischen neun und zwölf Jahren gedacht. Wir wissen aber, dass es Kinder gibt, die mehr Förderung brauchen als andere. Kinder können – abgesehen von der Herausforderung des Schulwechsels – mit verschieden Problemen konfrontiert sein. Das Spektrum reicht von der Scheidung der Eltern über Alkoholmissbrauch und Gewalt zuhause bis hin zu schweren psychischen Erkrankungen der Eltern, was für Kinder natürlich besonders belastend ist und für unsere Forschungsgruppe ein besonderer Schwerpunkt ist", erläutert Beate Schrank.

Alle Schulen in Niederösterreich sind eingeladen mitzumachen
Alle Maßnahmen werden zusammen mit Kindern und ihren Bezugspersonen wie Eltern oder Lehrer entwickelt. Vertreter von Patientenorganisationen, Kliniken, Therapie- und Beratungszentren werden ebenfalls in die Forschung eingebunden. Kinder sind auch gleichberechtigt in den beratenden Gremien vertreten. Für Schulen sollen die gemeinsam entwickelten Maßnahmen zur Entlastung beitragen, parallel soll die Entstigmatisierung von psychischen Problemen bei Kindern gefördert werden. "Wir laden alle interessierten Schulen in Niederösterreich ein, sich bei uns zu melden", unterstreicht Schrank.
Das Team der Forschungsgruppe D.O.T. setzt sich aus Wissenschaftler unterschiedlicher Fachgebieten zusammen. "Wir reden hier von einer Kombination von Wissen aus den Bereichen Psychiatrie, Psychologie, Soziologie und Pädagogik aber auch Computerwissenschaften und Gaming bis hin zu Theater. Diese Kombination verschiedener Disziplinen ist etwas Besonderes in diesem Forschungsfeld", so Schrank.

Erwartungen an das Forschungsprojekt
"Bei D.O.T. handelt es sich um ein Forschungsprojekt, das auf wissenschaftlichem Niveau multiple anerkannte Methoden kombiniert und wissenschaftliche Erkenntnisse auf mehreren Ebenen liefern wird. Wir erwarten uns ein besseres Verständnis der Grundlagen und Prozesse im Zusammenhang mit sozialer Verbundenheit im Kindesalter, besonders in Zeiten der Veränderung. Die Zeit des Schulwechsels ist für die Forschung eine besonders interessante Periode im Leben eines Kindes", erklärt Schrank.
Die Auswahl des Forschungsthemas geht auf eine Crowdsourcing-Initiative der LBG aus dem Jahr 2015 zurück. Über eine Online-Plattform gab die LBG Betroffenen von psychischen Erkrankungen, ihren Angehörigen und FachexpertInnen die Gelegenheit, ihr Wissen und ihre Anliegen zu kommunizieren. "Das Thema psychische Gesundheit von Kindern fand sich in verhältnismäßig vielen Statements wieder, daher griff die LBG dieses gesellschaftlich relevante und in der Forschung unterrepräsentierte Thema auf", erklärt Kaisler.

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red/cc, Economy Ausgabe Webartikel, 18.01.2018