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20. October 2017

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Geht die Arbeit nicht aus dem Kopf, leidet Schlaf und Gesundheit

Geht die Arbeit nicht aus dem Kopf, leidet Schlaf und Gesundheit© Bilderbox.com

Arbeiterkammer Niederösterreich und die TU Wien untersuchen wie sich die berufliche Nutzung von Smartphones auf die Schlafqualität auswirkt. Mittels der Smartphone-App „YLVI“ können Interessierte kostenlos bei der Studie mitmachen und dabei auch mehr über Ihre persönliche Handynutzung erfahren.

Die Trennlinie zwischen Arbeit und Privatleben ist zunehmend schwieriger. Viele Menschen lesen bereits beim Frühstück Arbeits-Emails oder erhalten abends Anrufe am Handy. Studien der TU Wien und Arbeiterkammer Niederösterreich zeigen nun, dass zusätzliche Bereitschaft außerhalb der Arbeitszeit das Grübeln über die Arbeit gefördert und damit wiederum die Schlafqualität beeinträchtigt wird. Vor allem Frauen und Beschäftigte mit vielen Überstunden neigen dazu, dass Arbeitsthemen auch in der Freizeit nicht mehr aus dem Kopf gehen.

Auszeit immens wichtig
„Die bloße Erreichbarkeit außerhalb der Arbeitszeit ist noch nicht unbedingt schädlich“, erklärt Martina Hartner-Tiefenthaler vom Institut für Managementwissenschaften der TU Wien. „Wichtig ist, echte Auszeiten zu haben, in der die Gedanken nicht um die Arbeit kreisen. Gehen diese Freiräume verloren, hat das eine schädliche Auswirkung auf die Schlafqualität.“
Bisher war es bei Studien zur berufsbezogenen Erreichbarkeit kaum möglich, Auskunft über das tatsächliche Smartphoneverhalten zu erhalten. Man musste sich auf Befragungen und Selbsteinschätzungen verlassen. Nun wurde von zwei TU Wien Instituten (Arbeitswissenschaft und Organisation und Institut für Rechnergestützte Automation) die Smartphone-App YLVI für Androidgeräte entwickelt um verlässliche Daten zu sammeln. YLVI („Your Latest Verified usage Information“) ist frei und kostenlos über den google play store erhältlich und analysiert Daten zum Nutzungsverhalten.

64 Mal aktiviert und alle 18 Minuten in der Hand
Erste Ergebnisse der Pilotstudie zeigen, dass Telefon und SMS durchschnittlich nur je rund vier Minuten täglich aktiv verwendet werden. Nachrichtendienste wie whatsApp hingegen beanspruchen im Schnitt sechs Mal so viel Zeit. „Wichtig ist es, nicht nur auf die Dauer der Nutzung zu achten, sondern auf die Anzahl an Unterbrechungen“ betont Hartner-Tiefenthaler.
Die Pilotergebnisse zeigen, dass Smartphones im Zeitraum von 24 Stunden rund 64 Mal aktiviert werden und im Schnitt alle 18 Minuten zur Hand genommen werden. Ziel der Folgestudie ist es nun zu untersuchen, welche Auswirkungen der Zeitpunkt und die Häufigkeit von arbeitsbezogenen Nachrichten außerhalb der Arbeitszeit auf den Schlaf und das Wohlbefinden haben.

Mitmachen, sich besser einschätzen und gewinnen
Nach Installation der Android-App YLVI auf dem Smartphone von interessierten Studienteilnehmern zeichnet diese drei Wochen anonym das Nutzungsverhalten auf. Alle Daten werden auf einem sicheren Server der TU Wien gespeichert. Inhalte (z.B. Kontakte oder Nachrichten-Inhalte) werden zu keinem Zeitpunkt ausgelesen. YLVI erkennt nur, welche App wann und wie lange geöffnet wurde. Zu Beginn und am Ende lädt YLVI dazu ein, einen Fragebogen auszufüllen, um weitere notwendige Informationen über die Nutzungsgewohnheiten sowie über Arbeitsbedingungen und -verhältnisse zu erfassen.
Dazwischen beantwortet man zwei Wochen lang ein Kurz-Tagebuch zu Schlaf und Arbeit. Nach Ablauf der Studiendauer gibt es exklusives Feedback über die persönliche Handynutzung. Unter allen Teilnehmenden, die bei der gesamten Studie mitmachen und die Fragebögen ausfüllen, verlost die TU Wien als Dankeschön 3 x EUR 250,-.

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red/cc, Economy Ausgabe Webartikel, 22.09.2017