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22. September 2018

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„Irgendwie haben wir da ein gröberes Problem.“

Video: 

(Video/Text; german/english) Der Journalist Hans Rauscher im dritten Teil des Gespräches mit economy über finstere orientalische Despotien, über den europäischen Nationalismus, über seltsame Figuren in den USA und über autoritäre Mentalitäten in unserer Gesellschaft.

Economy: Hans Rauscher, auch im internationalen Kontext einer der renommiertesten Journalisten des Landes, nun weg vom Mediengeschäft an den überzeugten Europäer: wie ist Deine Einschätzung zur Zukunft Europas, auch im Kontext der Wiedererstarkung der Nationalstaaten, Beispiel Polen und Ungarn betreffend?
Hans Rauscher: Nicht nur Polen und Ungarn, wenn Du es weiter fasst, auch Frankreich betreffend, wenn Marie Le Pen die Wahlen gewinnt, dann ist es eine Apokalypse.
Aber schon an unseren Rändern, die Türkei: ich war immer dagegen, das ist kein europäisches Land. Aus, Ende. Auch von der Mentalität her. Das ist unser unmittelbarer Nachbar und wenn sich das jetzt verwandelt in eine finstere orientalische Despotie, dann bleibt das nicht ohne Auswirkungen.
Ungarn, Polen und die Slowakei, das ist auch so ein Wackelkandidat. Und wenn in Italien Bepe Grillo (Anm. Schauspieler und politischer Aktivist) gewinnen sollte, das wäre eine blanke Katastrophe, fast so arg wie in Frankreich.
Die liberale Demokratie und der europäische Gedanke eines vereinten liberalen Europas ist gewaltig unter Druck und der größte Druck kommt erst durch diese seltsame Figur da drüben in den USA wenn der sagt: was interessiert mich Europa.
Dann die Niederlande, der Wilders (Anm. Gert) hat die Chance, dass er die nächste Wahl gewinnt. Es wird notwendig sein, eine Allianz der Gemäßigten und der Liberalen zu bilden. Diesmal, es geht wirklich um Etwas, jetzt geht’s um die „Wurst“.
Gelegentlich verlässt mich der Mut, weil ich mir denk es hört nie auf, du musst immer um deine Errungenschaften kämpfen, aber das werden wir jetzt tun müssen.

Thema ist die Migration...
... das Ausländerthema! Alles andere ist zweitrangig. Die Globalisierung: ja, dass die Arbeitsplätze abwandern. Und die technische Revolution: ja, da wissen wir noch gar nicht was los ist.
Im Moment hast du eine schwere kulturelle Verunsicherung. In Europa und in den USA auch. Und das hat damit zu tun, dass ein nennenswerter Anteil der Gesellschaft sehr anders ist und keine Anzeichen zeigt sich stark zu ändern.
Es geht ja nicht nur um die Flüchtlinge, die jetzt seit einem Jahr da sind. Das viel Bedenklichere ist, dass ein großer Teil der hier Befindlichen nicht aufsteigt. Ein großer Teil, es steigen welche auf: die Asiaten steigen auf, die Araber, die Osteuropäer.
Es gibt nur einen großen Teil, wo die dritte Generation schlechter dran ist, weniger gelernt hat in der Schule, keine Berufe findet und gleichzeitig aber einen Nationalismus hereinbringen.
Der Islam ist gar nicht so das Problem, es ist der Nationalismus, die autoritäre Mentalität und die sind jetzt da und haben einen nennenswerten Anteil und verlangen auch ihre Rechte und das absolut berechtigt.
Aber wir wissen noch nicht, wie wir mit denen jetzt umgehen sollen. Das ist der Teil der Verunsicherung, den ich an Pegida, Afd begreife.
Ich kann das nicht unterstützen, aber ich kann es begreifen. Irgendwie haben wir da ein gröberes Problem.

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„Somehow we have a coarser problem“.

The journalist Hans Rauscher in the third part of the talk with economy about dark oriental despots, about European nationalism, about strange figures in the US and about authoritarian mentality in our society.

Economy: Hans Rauscher, also in an international context one of the most renowed journalists in our country, now away from the media business to the convinced European: what is your assessment of the future of Europe, also in resurgence of the national states like Polen or Hungary?
Hans Rauscher: It is not only Polen or Hungary. If you continue, according also France, if Marie Le Pen wins the elections, that would be an apocalypse.
But already at our periphery, Turkey, i was always against it, this is no European country. Off. Also from mentality. This is our immediate neighbor and if there is a change now into a dark oriental despotism, this does not have any effect.
Hungary, Polen and Slovakia, this is also such of a wiggle candidate. And in Italy, if Bepe Grillo wins, that would be a nasty catastrophe, almost as badly as in France.
The liberal democracy and the European idea of a united liberal Europe is under great pressure. And the greatest pressure comes only through this strange figure over there in the US when he say I am not interessted in Europe.
Then the Netherlands, this Wilders (Acc. Gert) has the chance to win the next election. It will be necessary to form an alliance of moderates and liberals. This time, it really is about something, now it's about the "Wurst“ („sausage").
Occasionally I am losing my braveness, I think it never stops, you always have to fight for your achievements. But now we have to do this.

The topic is migration...

... the alien theme! Everything else is secondary. Globalisation: Yes, the jobs are moving away. And the technical revolution: Yes, we do not know yet what is going on. At the moment you have a serious cultural uncertainty. In Europe and in the US too. And this has to do with the fact that a significant part of society is very different and there is no sign of a change.
That concerns not only the migrants who are here in Austria since one year. The much more serious is that a large part of those does not rise up here. A large part, only some of them a rising up: people of Asia, of Arabia, Eastern European.
There is a large part where the third generation is worse off, less learned at school, found no work and bringing nationalism in our country at the same time.
The Islam is not the problem at all, it is nationalism, the authoritarian mentality and those which are here now have a significant share, demand their rights too which is absolutely justified.
But still we do not know how to deal with them. This is the part of the uncertainty which I understand at Pegida, at Afd. I can not support it, but I can understand it. Somehow we have a coarser problem.

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red/czaak; translation by economy, Economy Ausgabe Webartikel, 17.01.2017