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20. November 2018

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Shlomo traut seinen eigenen Augen nicht

Shlomo traut seinen eigenen Augen nicht©piqs.de/wengert61

Im zweiten Teil unserer sommerlichen Geschichten zur Entschleunigung absolviert unser Shlomo Abdullah einen lang vermissten Spaziergang durch die benachbarten Weingärten. Er macht dabei auf den ersten Blick unglaubliche Entdeckungen, kann dann aber neuerlich die Verbindung zur Realität herstellen.

(Christian Czaak) Wie bereits zuletzt an dieser Stelle zur Kenntnis gebracht reduzieren wir über die Sommermonate die betrieblich wichtigen Geschichten und bringen dafür ausgleichende Momentaufnahmen des privaten Betriebs. Diesmal möchte sich (der extra konzipierte) Shlomo in der Natur entspannen und den Kopf frei kriegen für eine kurze Überdenkung der letzten Monate. Abermals fragen wir: Kann das funktionieren?
Luke und Helen, die Kinder, kommen vom letzten Schultag retour und winken freudig mit ihren Zeugnissen. Als dann auch Kasandra, Shlomos Frau, strahlt, ergreift er die sich bietende Chance durch die Gunst dieses glücklichen Augenblicks und nimmt sich Zeit ganz für sich allein. Shlomo bricht zu einem Spaziergang in die nahe liegenden Weingärten auf. Die letzten Monate wollen zumindest einen Moment lang überdacht werden und die Ausgangsbasis für die nächsten sechs Monate vorbereitet sein.

Die Ansätze eines neuen Pfades
Wie gewohnt (im betrieblichen Alltag) nimmt Shlomo den kurzen, jedoch weitaus beschwerlich gefährlicheren Weg steil bergab in eine Art Schlucht und von dort steil bergauf in die ersten Weingärten. Das ganze dauert dafür nur rund sechseinhalb Minuten und dann steht er am Beginn Kilometer langer Felder. Endlich einmal allein. Nur Natur. Kein Verkehrsgeräusch. Keine menschlichen Stimmen. Unendlich weiter Himmel.
Shlomo blickt herum und entdeckt die Ansätze eines neuen Pfades. Viele können hier noch nicht gegangen sein. Und wenn es viele waren, dann erst für kurze Zeit. Der mögliche Weg ist zu Beginn von roten und grünen Blumen gesäumt, dazwischen vereinzelt blaue Gewächse. Dann erscheinen einige Stellen frisch begangen und ein fest getretener schwarzer Boden wird sichtbar, unterbrochen nur von einigen lehmig-klebrigen braunen Flecken. Nach einigen Metern muss Shlomo abrupt inne halten.
Er erblickt zahlreiche pinkfarbene Pflanzen und es scheint als ob diese erst kürzlich gepflanzt wurden. Trotzdem sind sie schon groß gewachsen und bedecken an der Stelle bereits den Großteil der Umgebung. Viele dieser neuartigen Pflanzen sind aber knapp unter der besonders farbenträchtigen Blüte geknickt. Es scheint, sie sind zu schnell gewachsen und für den schmalen Stiel war dann die vergleichsweise sehr große Blüte einfach zu schwer.

Eine regelrecht epochal schillernde Pflanze
Schade, diese Farbe bringt Abwechslung in die gewohnte Umgebung. Shlomo wird nachdenklich und wünscht der nächsten Generation dieser Pflanzen mehr Gleichgewicht zwischen Stamm und Blütenkopf. Und dann, mitten in tiefgründigen Gedanken über die Natur als immer ausgleichende Kraft, wird er regelrecht geblendet. Geblendet von der Strahlkraft einer nahezu epochal schillernden türkisfarbenen Pflanze, die auf einmal nach der nächsten Wegkurve erscheint.
Einer Schlingpflanze gleich überwuchert sie all die roten, grünen, schwarzen, blauen und pinkfarbenen Blumen und auch die braunen Flecken sind nur mehr bei genauem Hinsehen erkennbar. Eine sprichwörtliche kurzfristige Laune der Natur? Oder doch ein neues und nachhaltiges Gewächs, dass sich nach schillernder Geburt einen Platz erkämpfen wird und dann den anderen Blumen den Platz für die zumindest in der Natur übliche Vielfalt lässt? Die kommende Zeit wird es zeigen, Shlomo wird in Bälde Nachschau halten.
Nun muss er aber zurück, Kasandra und die Kinder warten sicher schon. Noch in Gedanken an die ja sicher kommenden Entwicklungen mit all den möglichen Eventualitäten auf Grund un- oder manchmal auch vorhersehbarer Ereignisse erinnert er sich an einen gut dazu passenden Song seiner (absoluten) Lieblingsband.

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red/czaak, Economy Ausgabe Webartikel, 10.07.2018