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23. October 2017

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Vielfalt im Schilfgürtel

Vielfalt im Schilfgürtel© Wikipedia

Der Neusiedler See hat einen erstaunlichen Reichtum zu bieten – an Cholera-Bakterien.

Es klingt besorgniserregender als es tatsächlich ist: In einer Studie haben Wiener Wissenschafter eine erstaunliche Vielfalt des Bakteriums Vibrio cholerae im Neusiedler See festgestellt. Cholera-Auslöser sind nicht darunter. Durch die Klimaerwärmung könnte es aber in Zukunft vermehrt zu Infektionen kommen.
Die Bakterienart Vibrio cholerae umfasst zahlreiche verschiedene Stämme. "Über 90 davon konnten wir nachweisen", sagte Studienleiter Alexander Kirschner vom Institut für Hygiene und Angewandte Immunologie an der Meduni Wien. "Jene zwei Typen, die Cholera auslösen, gibt es bei uns nicht", betonte Kirschner. Aufgrund verschiedener Untersuchungen und Indizien geht er davon aus, dass sie sich - selbst wenn sie etwa durch Vögel eingeschleppt würden - aufgrund der vorherrschenden Umweltbedingungen hier nicht vermehren können.

Ärzte sensibilisieren
Im Sommer haben die Forscher im Neusiedler See bis zu 500.000 lebende Vibrio cholerae-Bakterien pro Liter Wasser registriert. Besonders hoch war die Vielfalt im Schilfgürtel. Auch wenn keine Erreger der schweren Infektionskrankheit Cholera im Neusiedler See vorkommen, sind die Artgenossen nicht völlig harmlos. "Zwei Stämme, die wir im See gefunden haben, hatten schon Krankheiten ausgelöst", sagte Kirschner. Dabei habe es sich um Ohrenentzündungen und Wundinfektionen gehandelt.
In den vergangenen Jahren sei es in vielen Teilen Europas aufgrund höherer Gewässertemperaturen zu mehr Erkrankungsfällen gekommen. Dennoch seien solche Infektionen nach wie vor selten. Gegen die Vibrio cholerae-Bakterien im Wasser des Sees könne man jedenfalls nichts machen, "die leben dort". Speziell im Zusammenhang mit dem Klimawandel müsse man die Situation beobachten. Zudem müsse man die Ärzte verstärkt auf die Möglichkeit einer Wund- oder Ohreninfektion durch Vibrio cholerae aufmerksam machen.

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APA-Science/red/stem, Economy Ausgabe Webartikel, 23.06.2017