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17. Dezember 2017

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Männer dominieren im Wahlkampf einen Teil der TV-Information

Männer dominieren im Wahlkampf einen Teil der TV-Information© Bilderbox.com

Eine aktuelle Studie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften zeigt eine geringere Präsenz von Politikerinnen in TV-Nachrichtensendungen und auch ihre Redezeit ist rund um die Hälfte kürzer. Die Studie untersuchte die Berichterstattung zu den österreichischen Nationalratswahlkämpfen von 2002 bis 2013 im Rahmen der ORF-Sendung „Zeit im Bild“ um 19.30 Uhr.

Wahlkampf im Fernsehen ist offenbar immer noch Männersache. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie des Instituts für vergleichende Medien- und Kommunikationsforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW). Die Wissenschaftler untersuchten, welchen Einfluss das Geschlecht auf die Präsenz von Abgeordneten in den TV-Nachrichten hat. Das Ergebnis zeigt, dass in den sechs Wochen vor einer Wahl Politikerinnen geringere mediale Aufmerksamkeit zugestanden wird als männlichen und dies selbst dann, wenn die Frauen Spitzenpositionen in der Politik einnehmen.

74 Sekunden Redezeit für Männer, 32 für Frauen
So kam nur jede zweite Politikerin nach einem ersten Fernsehauftritt ein weiteres Mal in den Nachrichten zu Wort. Bei den männlichen Kollegen hatten hingegen zwei von drei diese Möglichkeit. Noch schlechter schnitten Frauen bei der Redezeit ab: Gegenüber 74 Sekunden durchschnittlicher Gesamtredezeit eines Mannes brachte es eine Frau auf 32 Sekunden. Auch die Prominenz als eines der wichtigsten journalistischen Selektionskriterien kann kaum etwas ändern. Frauen kamen selbst dann signifikant kürzer zu Wort, wenn sie in einer politischen Führungsposition waren.
Verglichen mit dem niedrigen Frauenanteil von 31 Prozent im Nationalrat betrug die Redezeit weiblicher Abgeordneter in den Fernsehnachrichten während der letzten vier Wahlkämpfe insgesamt durchschnittlich nur rund 15 Prozent, was also rund der Hälfte ihres parlamentarischen Anteils entspricht. Erst bei der Nationalratswahl 2013 wurde die Benachteiligung von Frauen etwas aufgebrochen. Damals erreichte die Gesamtredezeit von Frauen in den TV-Nachrichten mit knapp 24 Prozent ihren bisher höchsten Wert.

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red/cc, Economy Ausgabe Webartikel, 08.09.2017