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10. Dezember 2018

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Die intelligente Maschine ruft den Techniker an

Die intelligente Maschine ruft den Techniker an© piqs.de/lighthouse

Automatisation. Sensoren an Rolltreppen und Aufzügen, die Störungen sowie Wartungsintervalle melden oder das komplette Gebäudemanagement sind nur einige Beispiele für aktuelle Industrie 4.0 oder IoT-Lösungen. Plattformen und Funktechnologien erweitern nun die Anwendungen.

(Christian Czaak) Während einige Studien durch die zunehmende Automatisierung Arbeitsplätze gefährdet sehen, zeigen Innovationen einen kombinierten Mehrwert für Betrieb und Mitarbeiter. Lifte und Rolltreppen der Schindler Group befördern in 100 Ländern der Erde rund eine Milliarde Menschen pro Tag. Für die Wartung der Anlagen beschäftigt der Schweizer Konzern weltweit 20.000 Techniker im Außeneinsatz.

Machine-to-Machine-Lösung
Fällt ein Aufzug aus, so wird das statistisch erst nach mehreren Stunden bemerkt und das gilt für Hochhäuser mit vielen Fahrstühlen wie für kleinere Gebäude. Bei Schindler passiert im Falle eines Ausfalls sofort eine automatisierte Meldung an die Zentrale und parallel eine Information mit etwaig erforderlichen Ersatzteilen an den Servicetechniker.
Gemeinsam mit T-Systems betreibt Schindler ein automatisiertes System mittels einer sogenannten Machine-to-Machine-Lösung auf IoT-Basis, die direkt aus dem Lift Statusinformationen an eine zentrale Verbindungs-Plattform sendet und an die digitalen Werkzeugkoffer auf iPhones oder iPads für den Außendienst.
Über Sensoren an den Aufzügen, die etwa auch Daten zu Geschwindigkeit oder Temperatur liefern, kann Schindler Störungen in Echtzeit erkennen, und sofortige Service-Aktionen über mobile Techniker in die Wege leiten. Da Statusinfos permanent erfolgen, können über dieses vorausschauende Wartungssystem (engl. Predictive Maintenance) Ausfälle wesentlich reduziert oder ganz vermieden werden.

Digitale Wartung für Grossbaustellen
Ein weiteres Beispiel der digitalen Wartung gilt Grossbaustellen. Allein in Deutschland gab es 2016 mehr als 100.000 meldepflichtige Unfälle und über 16 Mio. Euro Schaden durch Diebstahl von Maschinen oder Material. T-Systems setzt hier auf einen integrierten IoT-Ansatz mit flexiblen Einsatzszenarien, wo am Beispiel der Baubranche mit einem virtuellen Zaun rund um Gefahrenzonen (engl. Geofencing) und der Überwachung gefährdeter Mitarbeiter über Sensoren in der Kleidung (engl. Wearables) Personenschäden vermieden, und Folgekosten etwa für Bauunternehmer oder Versicherer reduziert werden können. Ein permanentes Tracking wichtiger Maschinen und Materialien verringert zudem materielle Schäden und reduziert das Risiko kostspieliger Bauunterbrechungen.

Eigenes Netz für IoT-Anwendungen
Damit IoT-Anwendungen funktionieren, braucht es stabil vernetzte IT-Architekturen für eine reibungslose Integration unterschiedlicher Daten, Dienste und Partner. Kapsch BusinessCom, die ORF-Tochter ORS und Microtronics haben nun über das Joint-Venture SENS (Sensor Network Services) ein Netzwerk auf Basis von Funktechnologie (LoRa) entwickelt, mit Eigenschaften wie hohe Reichweite und Gebäudedurchdringung sowie bidirektionale Kommunikation.
Die direkte Integration in betriebliche IT-Systeme passiert dabei über standardisierte Schnittstellen. Nach dem Aufbau der entsprechenden Infrastruktur in Wien, Linz und Graz, werden erste Projekte mit den ÖBB im Bereich Weichenstellungen, mit der Salzburg AG bei Wasserzählern oder mit der Stadt Graz beim Gebäude- und Baumanagement umgesetzt. Weitere Anwendungsfelder sind intelligente Parkraumlösungen oder Logistik-Ketten mit Informationsbedarf über Mengen und Zuständen von Produkten.

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red/czaak, Economy Ausgabe Webartikel, 04.12.2018