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14. November 2019

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Digitalisierungstempo erschwert IT-Strategien

Digitalisierungstempo erschwert IT-Strategien© T-Systems

Die rasante digitale Transformation fordert von Betrieben Tempo und Flexibilität. Größere Konzerne können heutzutage strategische IT-Entscheidungen nicht mehr alleine treffen. Ein Expertenkommentar von Rudolf Marchl, Head of Solutions Sales bei T-Systems Austria.

Start-Ups haben den Vorteil, dass sie technische Dienste wie etwa Server und Applikationen mit wenigen Klicks aus der Public Cloud beziehen und damit ihre Businessanforderung schnell erfüllen können. Unternehmen mit historisch gewachsenen und oft komplexen Systemlandschaften tun sich da nicht so leicht.

Diese Betriebe können auch nicht dem Ruf der sogenannten Hyperscaler folgen. Das sind Anbieter wie Amazon oder Microsoft, die massive Skalierungen bei Cloud Computing (und Big Data) erreichen und so auch ein Maximum an Leistung und Redundanz. Nun stellen sie zunehmend nicht nur ihre eigenen Plattformen und Anwendungen bereit, sondern bieten auch weitere technische Dienstleistungen, sogenannte Managed Services.

Hyperscaler als Bereicherung
Auf den ersten Blick ergibt sich daraus ein Konkurrenzverhältnis zu traditionellen IT-Dienstleistern wie etwa eine T-Systems. Wenn aber diese klassischen IT-Dienstleister erkennen, dass sie mit den umfangreichen Cloud-Ressourcen dieser Hyperscaler ihr eigenes Portfolio anreichern können, dann lässt sich in Summe der Mehrwert für ihre Kunden steigern.

Die Marktentwicklung zeigt nämlich eine Abkehr von reinen Private oder Public Cloud Architekturen hin zu einer zunehmenden Nachfrage nach Hybridformen. Das gilt vor allem dort, wo beispielsweise schutzbedürftige Daten in der lokalen Cloud gespeichert werden und die Public Cloud die dazu gehörigen Web-Anwendungen zur Verfügung stellt.

Moderner Dirigent für Cloud-Orchestrierung
Besonders dann, wenn mehrere Fachabteilungen unterschiedliche Anforderungen an eine Cloud Umgebung haben, bieten sich alternativ auch Multicloud Lösungen an. Durch den Einsatz von Cloud-Diensten verschiedener Hersteller kommt sodann der Orchestrierung mittels übergeordnetem Portal eine besondere Bedeutung zu. Spannend ist auch das Zusammenwachsen von Softwareentwicklung und Systemadministration. Unternehmen müssen damit organisatorisch wie auch prozesstechnisch erst umgehen lernen.

Insgesamt ist die Vielfalt an Varianten, wie eine Systemlandschaft mit all ihren internen und externen Schnittstellen ausgestaltet und betrieben werden kann in den letzten Jahren rasant gestiegen. Unternehmen aus Branchen wie Finanzdienstleistung oder Automobil können die wichtigen strategischen IT-Entscheidungen nicht mehr alleine treffen.

Schlüsselkompetenz Cloud Consulting
All das führt dazu, dass Industriebetriebe und internationale Konzerne primär einen Cloud Consultant benötigen und erst in zweiter Linie einen Cloud Provider. Unter Berücksichtigung aller organisatorischen, technischen und kommerziellen Kundenanforderungen muss sodann eine Lösung gefunden werden, die den maximalen Kundennutzen aus Private wie Public Cloud generiert.

Um dem Rechnung zu tragen, müssen auch Managed Services-Provider Leistungsportfolio und Ausrichtung ändern. Betriebskapazitäten mittels zunehmender Virtualisierung und Automatisierung zu optimieren, sowie günstige Offshore-Konditionen im Operating anzubieten, ist zu wenig. Hier gilt es Fachwissen (Engineering) und Consultingkapazitäten auf breiter Basis auszubauen. Damit können Kunden dann sicher durch den Cloud-Dschungel geführt werden.

Links

Rudolf Marchl, Economy Ausgabe Webartikel, 01.10.2019