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15. November 2018

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Künstliche Intelligenz als besserer Arzt

Künstliche Intelligenz als besserer Arzt© piqs.de/canonier

Bei der Prognose von lebensgefährlichen Herzkrankheiten zeigt ein neues Computermodell bis dato unbeachtete Risikofaktoren und liefert bei testweisen Vorhersagen bessere Ergebnisse als menschliche Ärzte.

Mit Unterstützung von Künstlicher Intelligenz (KI) sagt ein neues Computermodell das Sterberisiko von Patienten mit Herzleiden besser vorher als medizinische Fachkräfte, so eine neue Studie von Forschern des Francis Crick Institute. Das Institut hat auf Basis von Gesundheitsdaten von 80.000 Briten, die an koronarer Arterienkrankheit leiden, selbst ein KI-gestütztes System entwickelt. Bei ersten Tests konnte damit der tatsächliche Tod wesentlich genauer prognostiziert werden als ein ganzes Team von erfahrenen Ärzten und mit der Methode lassen sich zudem neue, bislang unbeachtete Risikofaktoren identifizieren, so ein Bericht von Pressetext Austria.
"KI-Technologie ist ein ungemein wertvolles Werkzeug für die Medizin und hat das Potenzial, die Art und Weise der Gesundheitsfürsorge für Patienten in den nächsten paar Jahren grundlegend zu revolutionieren", erklärt Studienleiter Andrew Steele vom Bioinformatics and Computational Bioogy Laboratory des Francis Crick Institute. "Es wird nicht mehr lange dauern, bis Ärzte solche Tools routinemäßig einsetzen, um bessere Diagnosen und Prognosen zu erstellen und das könnte zukünftig auch auf weitere Krankheiten ausgeweitet werden", ist Steele überzeugt.

Identifizierung von 600 Risikofaktoren
Nicht nur, dass das KI-gestützte Modell beim Vorhersagen von Todesfällen bei Herzkranken deutlich besser abschnitt als menschliche Experten - es lieferte zudem auch einen wesentlich detaillierteren Einblick in mögliche Risikoindikatoren. Während etwa Ärzte im Zuge der Studie lediglich 27 Variablen wie Alter, Geschlecht oder das Auftreten von Schmerzen in der Brust in die Berechnung der Sterbewahrscheinlichkeit miteinbezogen, griff der eingesetzte Algorithmus hierfür auf insgesamt 600 Variablen zurück.
"Neben bekannten Faktoren stellte unser KI-System etwa auch fest, dass es ein guter Indikator für das Sterberisiko eines Patienten ist, wenn dieser zuvor zuhause von seinem lokalen Arzt besucht worden ist. Einem Kardiologen wäre das egal, obwohl dieser Umstand deutlich zeigt, dass es dem Betreffenden vielleicht so schlecht ging, dass er es selber nicht mehr in das Krankenhaus schafft", erläutert Steele.

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PresstextAustria/red/cc, Economy Ausgabe Webartikel, 16.10.2018