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14. Dezember 2017

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Potenzial der Digitalisierung wird noch zu wenig genutzt

Potenzial der Digitalisierung wird noch zu wenig genutzt© Bilderbox.com

Die Digitalisierung ist bei Österreichs Non-Profit-Organisationen angekommen, die zunehmende Vernetzung stellt jedoch viele NPOs vor neue Herausforderungen.

Fast neun von zehn Institutionen (88%) bewerten die erhöhten Anforderungen an die Datensicherheit als größten Nachteil der Digitalisierung, so Ergebnisse einer Ernst & Young Umfrage unter 80 Verantwortlichen österreichischer Non-Profit-Organisationen.

Unsicherheit im Umgang mit sensiblen Daten
Gerade im Sozial- und Gesundheitsbereich verarbeiten NPOs eine Vielzahl von personenbezogenen Daten digital. Schon jetzt führen 56 Prozent regelmäßig automatisiert mehrere Datenquellen zusammen. Umso wichtiger ist der Schutz dieser Daten. Der Status quo ist jedoch eher bedenklich: Nur vier von zehn (40%) NPOs sind überzeugt, dass ihre eigenen digitalen Daten ausreichend geschützt sind, bei 60 Prozent gibt es Zweifel daran. Fast ein Fünftel der gemeinnützigen Organisationen (18%) in Österreich fürchtet gar, dass die eigenen Daten unzureichend geschützt sind. Bei jeder dritten NPO (33%) ist der Zugriff auf Kundendaten nicht schriftlich geregelt. Nur drei Viertel (76%) informieren betroffene Personen über die Speicherung und Verwendung von personenbezogenen Daten.
„Viele Non-Profit-Organisationen haben die Zeichen der Zeit erkannt und Digitalisierung ganz oben auf ihre Agenden geschrieben. Die Anpassung der Geschäftsmodelle an den digitalen Standard ist ein laufender Prozess, der auch Gefahren mit sich bringt,“ so Christian Horak, Partner bei Contrast EY. „Eines der größten Risiken ist der Schutz von sensiblen Daten bei zunehmender Vernetzung. Viele NPOs haben dort Aufholbedarf und müssen gerade in Hinblick auf die EU-Datenschutz-Grundverordnung dringend aufrüsten,“ so Horak.

Neue EU-Datenschutzgrundverordnung
Die im Mai 2018 in Kraft tretende EU-Datenschutzgrundverordnung erhöht die Standards für den Schutz von sensiblen Daten und verschärft die Strafen bei Fehlverhalten: Bußgelder bei Verstößen können bis zu 800 Mal höher sein als bisher und in Millionenhöhe gehen. Ein Viertel (26%) der gemeinnützigen Organisationen in Österreich ist laut eigenen Angaben noch nicht auf die neuen gesetzlichen Vorgaben vorbereitet. Immerhin 74 Prozent sind überzeugt, ihre Hausaufgaben bereits gemacht zu haben.
Für Österreichs Non-Profit-Organisationen bringt die Digitalisierung in erster Linie neue Chancen in der Kommunikation. Als größte Vorteile digitaler Technologien werten sie demnach auch die Ausweitung der Möglichkeiten in der Interaktion mit Kunden (80%) und die Vereinfachung der internen Kommunikation (75%). Gleichzeitig fürchtet ein Drittel (34%) aber auch, dass die zwischenmenschliche Kommunikation unter den neuen technologischen Möglichkeiten leidet. 
Die gemeinnützigen Organisationen setzen bereits jetzt in der Kommunikation voll auf Social Media: 87 Prozent nutzen soziale Netzwerke für den Austausch mit ihren Zielgruppen. Der eindeutig beliebteste Kanal ist Facebook: 85 Prozent nutzen die Plattform aufgrund ihrer großen Reichweite zum Verbreiten von Informationen und zum Austausch. 37 Prozent verwenden dafür Twitter – entweder als Organisation oder über einzelne Personen als offizielle Sprachrohre. Auf der Bilderplattform Instagram sind zwölf Prozent der österreichischen NPOs aktiv. 

NPOs schöpfen Potenzial der Digitalisierung nicht aus
„NGOs müssen den digitalen Wandel in seiner gesamten Bandbreite begreifen und ihre Organisation neu vermessen. Der starke Fokus auf neue Möglichkeiten in der Kommunikation ist aus Sicht der Organisationen zwar richtig, aber zu kurz gegriffen. Wer auf dieser Ebene stehen bleibt, lässt viel Potenzial ungenutzt“, warnt Horak. 
So sehen momentan erst 71 Prozent Vorteile durch Automatisierung, nur 64 Prozent haben Potenzial für Aufwands- und Kosteneinsparungen erkannt und nicht einmal die Hälfte (48%) plant, das Leistungsspektrum aufgrund der neuen technologischen Möglichkeiten zu erweitern. Gerade einmal 28 Prozent sind sich sicher, dass die Digitalisierung in den nächsten fünf Jahren Änderungen des Leistungsportfolios der Organisation nach sich zieht, immerhin 43 Prozent können sich Anpassungen vorstellen.

Neun von zehn NPOs haben keine Digitalisierungsstrategie
Ein Masterplan fehlt momentan noch bei vielen Non-Profit-Organisationen, fast neun von zehn NPOs (88%) haben aktuell keine verschriftliche Digitalisierungsstrategie. NPOs fürchten, dass die derzeitigen Kompetenzen nicht ausreichen, um den digitalen Wandel erfolgreich voranzutreiben. Zwei Drittel (64%) sehen Kompetenzmangel als Problem. Auch die budgetären Mittel sind überschaubar: Nur jede achte NPO (12%) kann mehr als zehn Prozent des gesamten Budgets in die Digitalisierung der eigenen Organisation investieren. 
Im Gegensatz zur öffentlichen Verwaltung, wo die Überalterung zum Stolperstein auf dem Weg in das digitale Zeitalter zu werden droht, gäbe es bei Österreichs NPOs zumindest genügend „Digital Natives“: In jeder zweiten Organisation sind deutlich mehr als ein Viertel der Mitarbeiter mit digitalen Technologien aufgewachsen. Ohne entsprechende Weiterbildungen bleibt dieser Mehrwert aber ungenutzt: Knapp die Hälfte der Befragten (46%) bemängelt, dass ihre Organisation im Moment zu wenig Fortbildungen zum Thema Digitalisierung anbietet.

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red, Economy Ausgabe web, 24.10.2017