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18. October 2019

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Bestes Jahr in Unternehmensgeschichte

Bestes Jahr in Unternehmensgeschichte© AIT-Apa_Schedl

Das Austrian Institute for Technology (AIT) erzielt 2018 das beste Ergebnis seit Gründung. Massive Steigerungen bei Auftragsforschung, bei EGT und bei EU-Fördermittel belegen neuen Meilenstein in der von Hannes Androsch geprägten Erfolgsgeschichte dieser größten wirtschaftsorientierten Forschungsinstitution Österreichs.

(Christian Czaak) Vor zehn Jahren stand das damalige Forschungszentrum Seibersdorf als größte außeruniversitäre Forschungsinstitution vor der Auflösung. Ambivalente Interessen und entsprechende Streitereien über die Strategie zwischen den Eigentümern Industrie und Bund sowie unterschiedliche politische Einflussnahmen hatten die grundsätzlich eigentlich damals schon gut aufgestellte Forschungsinstitution an den Rand der Auflösung getrieben.

Dann nahm Hannes Androsch als neuer Aufsichtsratspräsident die Zügel in die Hand, holte Anton Plimon (DI) als langjährig erfolgreichen Manager von Arsenal Research in die kaufmännische Geschäftsführung und Wolfgang Knoll (Univ.Prof. Dr.) von der deutschen Max Planck Forschungsgesellschaft in die wissenschaftliche Geschäftsführung (economy berichtete). Parallel übernahm mit Michael Hlava (Mag.) ein erfahrener, von der ÖBB kommender Manager Leitung und Strategie der Kommunikation.

Die letzte Chance
Austrian Institute for Technology (AIT) wurde als neue Dachmarke gewählt und dazu eine operative Struktur mit eigenständigen wie erfolgsabhängigen Units zu den wichtigsten wissenschaftlichen Zukunftsfeldern. Eigentümer wie Management verständigten sich auf eine „letzte Chance“ und starteten mit den angewandten und entsprechend wirtschafts- und industrienah ausgerichteten Forschungs-Einheiten in eine neue Aera. Schwerpunkt der Strategie waren dabei von Beginn weg die Auftragsforschung und das Einwerben europäischer Förderprogramme – was rückblickend wie auch aktuell gut gelungen ist.

Im elften Jahr besteht das AIT nunmehr aus acht Forschungs-Units und mehreren Tochtergesellschaften. „Energy“, „Health & Bioresources“, „Digital Safety & Security“, „Automation & Control”, “Mobility”, “Low-Emission-Transport”, “Technology Experience” und “Innovation Systems & Policy” sind diese acht Forschungs-Units und die Seibersdorf Labor GmbH, die Nuclear Engineering Seibersdorf GmbH oder die Leichtmetall-Kompetenzzentrum Ranshofen GmbH sind Beispiele für zur Gruppe gehörende eigenständige Forschungsunternehmen, wo zuletzt die Profactor GmbH der prominenteste Neuzugang war.

Namhafte Experten verantworten die Forschungs-Units
Zu erfolgreichen Forschungs-Units gehören entsprechende Experten, die neben wissenschaftlichem Fachwissen auch unternehmerisches Knwo-how ihr Eigen nennen können und insbesondere auf die Bedürfnisse von Unternehmen aus Industrie und Mittelstand eingehen können sowie Projekte im Bereich von Innovation und Digitalisierung entsprechend partnerschaftlich umsetzen können.

Beispielhaft angeführt für die gewachsene Vielzahl und Vielfalt fachlich anerkannter Unit-Manager sei Helmut Leopold (DI) als ehemals langjähriger Forschungschef der Telekom Austria oder Helmut Tscheligi (Univ.Prof. Dr.) als ehemaliger Gründer und Chef von CURE (Center of Usability and Research Engineering). Leopold leitet im AIT seit vielen Jahren den Bereich Digital Safety & Security und Tscheligi die Unit „Technology Experience“.

Konstantes Wachstum bei Auftragsforschung
„Besonders erfreulich ist die konstante Wachstumsstärke der Auftragsforschung sowie der Spitzenplatz des AIT beim Einwerben europäischer Mittel“, unterstreicht Anton Plimon als kaufmännischer Geschäftsführer des AIT die kontinuierliche Aufwärtsentwicklung. Plimon erläutert in Folge vor allem die Erlössteigerungen im Bereich der Auftragsforschung, das Personalwachstum und die stabile Ergebnisentwicklung als prägendste Resultate des vergangenen Geschäftsjahrs.

Mit einem EGT von 3,6 Mio. Euro und einem Plus von 20 Prozent zum Vorjahr sowie einer Konzernbetriebsleistung von rund 159 Mio. Euro verzeichnet das AIT das zehnte Wachstumsjahr in Folge. Die Auftragsforschung weist dabei gegenüber 2017 ein Plus um 15 Prozent auf und dokumentiert die noch stärkere Verankerung des AIT am Markt. „Der Auftragsstand der AIT-Gruppe als wichtige Messgröße für künftige Umsätze ist 2018 um 10,6 Prozent auf 179 Mio. Euro gestiegen (Anm. ggü. 2017) und markiert unser bisheriges All-Time-High“, betont auch Alexander Svejkovsky, CFO des AIT.
„Die erneut positive Bilanz des AIT zeigt, welche beeindruckenden Effekte im Bereich Forschung und Entwicklung durch strategischen Mitteleinsatz möglich sind“, so Christoph Neumayer, Generalsekretär der Industriellenvereinigung (IV) und Miteigentümer des AIT. „Die Zahlen belegen eindrucksvoll, dass das AIT in der oberen Liga der europäischen Forschungseinrichtungen mitspielt und es zudem gelingt, europäische Forschungsmittel wirkungsvoll nach Österreich zu holen“, betont der IV-Generalsekretär.

Konsequentes Wachstum und Brückenfunktion erfreut Industrie
„Nach zehn Jahren konsequenter Aufbau- und Wachstumsarbeit kann das AIT für das Jahr 2018 ein hervorragendes Ergebnis vorlegen. Dies alles ist möglich dank eines hervorragenden Teams, das selbstständig agiert, sich der Zukunft verpflichtet sieht und damit im wahrsten Sinne des Wortes als „Ingenious Partners“ für die Industrie und die öffentliche Hand profiliert“, unterstreicht auch Hannes Androsch als AIT-Mastermind.

„Das AIT hat in den zehn Jahren immer die starke Rückendeckung seiner Eigentümer erhalten. Die Erfolgsformel lautet: Das AIT auch in Ruhe arbeiten zu lassen und langfristige Finanzierungszusagen gewähren, denn diese schaffen Planungssicherheit auf dem weiteren Expansionspfad“, so der AIT-Aufsichtsratspräsident als Dank in Richtung der AIT-Eigentümer BM für Verkehr, Innovation und Technologie (BMVIT mit 50,46 %) und Industriellen-Vereinigung (IV mit 49,54 %).

„Als exportorientiertes Industrieland im vom digitalen Wandel geprägten Wettbewerb muss Österreich auf Innovationen setzen und dafür braucht es Partner, die die Unternehmen auf ihrem Entwicklungspfad mit umfassender Kompetenz begleiten“, ergänzt Christoph Neumayer von der IV. „Durch seine vielfältigen Brückenfunktionen zwischen Wissenschaft und Wirtschaft und Forschung und Ausbildung, aber auch zwischen Österreich, Europa und der internationalen Ebene ist das AIT unverzichtbarer Leadpartner der innovativen österreichischen Industrie“, unterstreicht der IV-Generalsekretär die Position der Industrie dem AIT gegenüber.

Unternehmerische und wissenschaftliche Höhepunkte
Zu den Höhepunkten des vergangenen Berichtsjahres zählen die Eröffnung des neuen AIT Flagship-Standortes in Wien Floridsdorf, die Erweiterung des Standortes Seibersdorf durch Ecoplus und die Übernahme von 51 Prozent der Unternehmensanteile von PROFACTOR. „Diese Investitionen machen das AIT zu einem attraktiven modernen Arbeitsplatz und sind Anreiz für die besten Experten, in Österreich zu bleiben oder nach Österreich zu kommen“, so Wolfgang Knoll, wissenschaftlicher Geschäftsführer des AIT. Die AIT Gruppe weist mit Ende 2018 einen Personalstand von rund 1.370 Personen auf.

„Immer mehr geht es darum, Talente zu finden, zu fördern und zu halten. Die besten Köpfe entscheiden mit, ob ein Thema mit dem entsprechenden Exzellenzanspruch in Angriff genommen werden kann“, betont Knoll. Als weitere Messlatte für die Qualität im Forschungsbereich dienen die Patente, wo dem AIT vergangenes Jahr 45 erteilt wurden (2017: 37). Auch die Anzahl der Publikationen in renommierten internationalen Fachmagazinen liegt mit 213 auf hohem Niveau.

2018 wurden am AIT 28 Dissertationen und 64 Diplomarbeiten abgeschlossen. 44 Prozent Anteil der Dissertanten aus internationalem Raum ergibt eine Steigerung um 10 Prozent ggü. 2017. Das AIT erhielt zudem einen European Research Council (ERC) Starting Grant für den AIT-Forscher Bernhard Schrenk, der auf dem Gebiet „Coherent Homodyne Communiction“ (Anm. optische Kommunikation) forscht. „Dies definiert zugleich die wissenschaftliche Flughöhe, auf der wir uns künftig bewegen wollen“, resümiert Knoll.

(Anm. der Redaktion: Das seinerzeitige Antrittsinterview „Sisyphus war ein glücklicher Mensch“ mit Hannes Androsch, Anton Plimon und Wolfgang Knoll lesen Sie hier).

Links

red/czaak, Economy Ausgabe Webartikel, 18.06.2019