Unabhängiges Magazin für Wirtschaft und Bildung

23. Juli 2018

Search form

Search form

Der Höhepunkt der Konjunktur

Der Höhepunkt der Konjunktur© piqs.de/ralfsen

Angetrieben von einem weltweiten Aufschwung sollte auch die heimische Wirtschaft weiterhin kräftig expandieren, so die aktuelle Prognose des Instituts für Höhere Studien (IHS).

Für 2018 und 2019 erwarten die IHS-Experten ein Wachstum von 2.8 % bzw. 1.9 % für Österreich. Primär stützen die Exporte und der private Konsum den Aufschwung. Diese Konjunktursituation bietet weiterhin gute Voraussetzungen für einen nachhaltigen Budgetkurs und dringend notwendige Strukturreformen, so die IHS-Forscher. Die österreichische Wirtschaft ist im Vorjahr um 2.9 % gewachsen. Dabei blieb das Expansionstempo im Jahresverlauf sehr hoch. Treiber der Konjunktur waren die Ausrüstungsinvestitionen sowie die Exporte, die von der weltweit kräftigen Nachfrage, insbesondere nach Investitionsgütern, profitierten. Parallel blieb die vom starken Beschäftigungsanstieg gestützte private Konsumnachfrage robust.

Welthandel gewinnt merklich an Fahrt
Die vorliegenden Indikatoren deuten auf eine Fortsetzung der sehr regen Wirtschaftsentwicklung in der ersten Jahreshälfte 2018 hin. Allerdings gibt es auch Anzeichen, dass die Industriekonjunktur ihren Höhepunkt bereits erreicht haben dürfte. Insgesamt gesehen erwartet das IHS eine Verlangsamung der Konjunkturdynamik im Jahresverlauf. Vor diesem Hintergrund sollte die österreichische Wirtschaft im Jahresdurchschnitt 2018 um 2.8 % zulegen. Im nächsten Jahr wird das Bruttoinlandsprodukt laut Prognose um 1.9 % steigen. Für den gesamten Euroraum wird ein Wachstum zwischen 1,9 und 2.3 % erwartet. 
Im Vorjahr expandierte die Weltwirtschaft breitflächig in hohem Tempo und der Welthandel gewann merklich an Fahrt. Die kräftige Wirtschaftsdynamik setzte sich auch im vierten Quartal fort. Die starke Nachfrage nach Investitionsgütern treibt den Welthandel. Die Konjunkturindikatoren lassen auch für die kommenden Monate ein robustes Wachstum der Weltwirtschaft erwarten. Generell sollte auch die Wirtschaftspolitik weiterhin anregend wirken, da die expansive Geldpolitik erst langsam zurückgefahren wird. Allerdings ist die Volatilität auf den Finanzmärkten gestiegen und die Konjunkturrisiken haben sich leicht erhöht. 

Privater Konsum
Das Institut erwartet somit das folgende internationale Konjunkturbild. Nach einem Wachstum von 2.3 % im Vorjahr sollte die US-Wirtschaft in den Jahren 2018 und 2019 um 2.5 % bzw. 2.2 % zulegen. Weiterhin schwungvoll dürfte die Konjunktur im Euroraum mit Zuwachsraten von 2.3 % bzw. 1.9 % ausfallen. Auch in den Schwellenländern bleibt die Konjunktur wohl aufwärts gerichtet. So werden für die chinesische Wirtschaft Zuwachsraten von 6.7 % bzw. 6.3 % erwartet. Ausgehend von einem Wachstum von 3.7 % im Vorjahr, dürfte die Weltwirtschaft im Prognosezeitraum um 3.8 % bzw. 3.5 % expandieren. 
Mit einer Rate von 1.4 % verzeichnete der private Konsum in Österreich im Vorjahr ein robustes Wachstum. Die merklich steigenden Realeinkommen, die weiter verbesserte Arbeitsmarktlage und das hohe Konsumentenvertrauen sollten den privaten Konsum auch weiterhin stützen, sodass für das aktuelle Jahr mit einer Zunahme des privaten Konsums um 1.4 % gerechnet wird. Angetrieben von der weltweiten Investitionskonjunktur hat sich im Vorjahr auch die Dynamik des Welthandels deutlich beschleunigt. Die österreichische Exportwirtschaft konnte von dem verbesserten internationalen Umfeld profitieren, die Güterexporte haben um 6.1 % zugelegt. Somit dürfte von der Außenwirtschaft ein positiver Wachstumsbeitrag ausgehen. 

Inflation und Arbeitsmarkt
Im Jahresdurchschnitt 2017 hat die Inflationsrate 2.1 % betragen. Dieser Wert wird auch für dieses Jahr erwartet. Die kräftige Konjunktur könnte den Preisdruck zwar etwas erhöhen und die Lohnstückkosten werden wohl etwas anziehen. Demgegenüber sollte aber der kräftigere Euro den Auftrieb der Importpreise dämpfen. Der heimische Preisauftrieb dürfte damit weiterhin um einen halben Prozentpunkt stärker als im Durchschnitt des Euroraums ausfallen. Für das kommende Jahr wird eine nahezu unveränderte Inflationsrate von 2.2 % erwartet. 
Erstmals seit dem Jahr 2011 ist die Arbeitslosenquote im Vorjahr gesunken. Der kräftige Konjunkturaufschwung hat die Beschäftigungsnachfrage angetrieben. Auch in diesem Jahr ist mit einer äußerst starken Beschäftigungsausweitung zu rechnen. Traditionell wird in Österreich nur ein Teil der neugeschaffenen Stellen aus dem Arbeitslosenpool besetzt. Das Auseinanderklaffen der von der Wirtschaft nachgefragten und von den Arbeitslosen angebotenen Qualifikationen bremst den Rückgang der Arbeitslosigkeit. Ausgehend von 8.5 % im Vorjahr sollte die Arbeitslosenquote nach nationaler Definition in diesem Jahr auf 7.8 % fallen und im Jahr 2019 annähernd auf diesem Wert verharren (7.7 %).

Links

red/cc, Economy Ausgabe Webartikel, 19.03.2018