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04. Juli 2022

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Positive Geschäftslage in Österreich

Positive Geschäftslage in Österreich© Pexels.com/pixabay

Österreichs KMU beurteilen ihre Geschäftslage deutlich positiver als in den letzten Corona-Jahren. Geschäftserwartungen sind im Vergleich zum letzten Herbst weniger zuversichtlich, so aktuelle Erhebungen der Creditreform.

(red/czaak) Die Abteilung Wirtschaftsforschung des Dienstleisters für Wirtschaftsauskünfte Creditreform hat zuletzt rund 1.400 österreichische Klein- und Mittelunternehmen nach der aktuellen Wirtschaftslage und den Ausblicken für die kommenden sechs Monate befragt. Die KMU beurteilen ihre Geschäftslage nach wie vor positiv, weniger zuversichtlich als noch im Herbst 2021 sind die Geschäftserwartungen.

Auftragsbücher beginnen sich zu füllen
Der Verlauf des sogenannten Klimabarometers zeigt aktuell eine spürbare Verbesserung gegenüber den Corona-Krisenjahren 2020 und 2021. Konjunkturdämpfende Aussichten ergeben sich durch den Ukraine-Krieg, dazu kommen Unsicherheitsfaktoren wie erhöhte Preise bei Energie und Rohstoffen. „Die Auftragslage des Mittelstandes hat sich nach zwei Krisenjahren erholt und die Auftragsbücher beginnen sich wieder zu füllen“, so die Wirtschaftsexperten der Creditreform.

23 Prozent der befragten Unternehmen rechnen mit einem Anstieg der Auftragsbestände und auch der Anteil der Unternehmen, die im nächsten Halbjahr Auftragseinbußen befürchten, ist geringer als im Vorjahr (knapp 20 gegenüber 23 Prozent). Besonders zuversichtlich ist das Dienstleistungsgewerbe, wo knapp 26 Prozent der Befragten Auftragssteigerungen erwarten. Ein Sorgenkind bleibt hier der Handel, wo nur rund 15 Prozent mit einer besseren Auftragslage rechnen.

Weiterhin angespannte Ertragslage und explodierende Preise
„Die Corona-Krise war für Teile des Mittelstandes ein regelrechter „Stresstest“, die Erträge waren eingebrochen und die Unternehmensfinanzierung stand „auf der Kippe“. Mittlerweile hat sich die Ertragslage der Unternehmen erholt“, so Creditreform in einer Aussendung. Ein bestimmendes Thema ist die Inflation: fast zwei Drittel der Mittelständler haben die Angebotspreise in den letzten Monaten erhöht. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres waren es rund 23 Prozent.

Ein Ende der Preissteigerungen ist in den nächsten Monaten nicht in Sicht. Laut Statistik Austria lag der Anstieg der Erzeugerpreise im Februar bei fast 19 Prozent auf Jahressicht. Ähnliches gilt für die Großhandelspreise. Damit drohen den KMUs Belastungen und die Angebotspreise dürften weiter anziehen. Der Saldo aus künftig steigenden und sinkenden Preisen nahm von plus 15 auf plus 56 Punkte zu.

Gesonderte Preissteigerungen in Baugewerbe und Handel
„Noch nie in den letzten zehn Jahren wurde ein höherer Wert registriert“, so Creditreform. Knapp 58 Prozent der 1.400 befragten Unternehmen haben angekündigt, die Preise im nächsten Halbjahr zu erhöhen und nur rund zwei Prozent wollen diese senken. Die Angebotspreise dürften dabei auf breiter Front steigen. Insbesondere das Baugewerbe (72) und der Handel (66 Prozent) „werden Preiserhöhungen vornehmen müssen“.

Einen Dämpfer hat die Investitionsbereitschaft der mittelständischen Unternehmen erhalten. „Möglicherweise haben die Unternehmen ihren Bedarf schon im letzten Jahr mittels der staatlichen Corona-Förderprogramme gedeckt“, so die Creditreform. Gleichzeitig könnte die schwächere Konjunkturprogose Investitionsvorhaben gestoppt haben. Aber: Immerhin 41 Prozent der Unternehmen wollen noch Investitionen durchführen (Vorjahr: 51 Prozent).

Einschätzung der Experten
Nach der V-förmigen Entwicklung des Wirtschaftswachstums – starker Einbruch 2020 und starker Anstieg 2021 – sind Geschäftslage wie auch Geschäftserwartung nach wie vor im positiven Bereich. Abgeschwächt hat sich die Erwartung der heimischen Unternehmen, Hauptgründe sind der Krieg und die Inflation. Gerade KMU sind von der Teuerungswelle mehrfach betroffen: Vorprodukte und Rohstoffe werden teurer und können oft nicht 1:1 an den Kunden weitergegeben werden.

„Das schmälert die Marge und die Ertragslage“, so Gerhard Weinhofer, Mitglied der Geschäftsleitung bei Creditreform. „Österreichs Unternehmen waren noch nie mit so vielen gleichzeitigen Risiken konfrontiert. Das erfordert in den Unternehmen wie in der Politik nach mutigen und tatkräftigen Kapitänen“, resümiert Weinhofer von Creditreform.

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red/czaak, Economy Ausgabe Webartikel, 27.05.2022