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24. Februar 2018

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„Technologie ist kein Jobkiller, sondern hält Produktionen in Österreich.“

Video: 

(Video/Text; german/english) Die Firma books & docs beschäftigt sich mit Individualisierung und Automatisierung von produktionstechnischen wie industriellen Prozessen. Im dritten Teil des economy-Gespräches sieht Firmengründer Rene Heinzl viele Möglichkeiten um bestehende Produktionsstandorte in Österreich zu halten und neue zu schaffen. Themen sind dabei dringend nötige Ergänzungen im Bildungssystem, Monetarisierungssysteme für Intellectual Property und Verlage sowie genormte Standards im Datenmanagement.

Economy: Rene Heinzl, Geschäftsführer von books & docs und Experte für digitale Prozesse. Wie sehen Sie in Blickrichtung Unternehmen den Einsatz neuer Technologien?

Rene Heinzl: Wir haben diesen Witz in Österreich, dass wir meistens drei bis vier Jahre zu spät sind und das muss ich absolut bekräftigen. Wir sind im Technologiesektor sehr viele Jahre hinterher.
Wir haben auch in der Ausbildung keine neuen Lehrgänge aufgenommen, etwa Data Science, Big Data. Wir fangen dafür erst jetzt an. In Amerika oder in der Schweiz gibt es diese Lehrgänge seit fünf oder sieben Jahren.
Wir hinken in der Industrie weit hinterher, Industrie 4.0 etwa ist ein reiner Marketingbegriff. Wir sind stark fokussiert auf KMUs, die oftmals auch die Zeit nicht haben sich um neue Technologien zu kümmern.
Das ist schade, weil Technologien kein Jobkiller sind, sondern zur Optimierung dienen, etwa auch auf Stückkosten runtergebrochen und Möglichkeiten bieten, die wir in Österreich gar nicht für machbar halten.

Woran liegt das?

Wir haben gute Ingenieure, wir haben intelligente Leute, wir haben ein schönes Land mit guten Rahmenbedingungen, wir müssen uns bei gewissen Sachen nur trauen. Auch Technologie einzubauen, um auch unsere Produktion hier zu halten.
Durch Automatisierungstechnologien sehen wir einfach wie die Stückkosten reduziert werden könne. Unser Unterrichts- und Terminplaner wird um 19 Euro nach Steuern verkauft.
Da ist immer diese Aussage, in Österreich kann ich nicht günstig produzieren. Das ist richtig, wenn ich Technologien nicht einsetze.
Wie stark Technologie uns helfen kann, unsere bestehende Jobwelt zu optimieren und zu verbessern, wird wahrscheinlich sehr stark unterschätzt.

Sind gemeinsame unternehmerische Business-Plattformen ein Thema?

Ich glaube etwa die Verlage haben genau diese Fragestellungen oder Unternehmen allgemein, die in der Monetarisierung im sogenannten Intellectual Property Bereich arbeiten.
Was uns in Österreich und in ganz Europa fehlt, ist ein modernes Business-Konzept für Verlage, die genau über die angesprochene Plattform-Idee eigentlich bis jetzt nicht realisiert worden sind.
Wir haben bereits versucht mehrere österreichische Verlage zusammen auf eine Plattform zu schalten, Single-Authentication, Digital-Goods in einen Warenkorb geben und monetarisieren von Intellectual Property. Das sind genau die großen Fragestellungen.

Das Thema Monetarisierung ?

Wahrscheinlich eine der Möglichkeiten, dass Verlage ihr eigenes Potential monetarisieren können. Da braucht’s eigentlich nur eine Initialzündung.
Hoffentlich macht’s nicht Google vorher, das dann den Verlagen den letzten Bereich wegnehmen, wo sie eh schon großteils die Vermarktungsecke weggenommen haben.
Das ist auch ein guter Punkt für unser Unternehmen. Dafür sind wir noch zu klein aber in Kooperation mit Verlagen eine sehr interessante Fragestellung.

Generell Thema Entwicklung Schnittstellen bei Prozessen, Standardisierung?

Ja, das ist das Thema Industrie 4.0. Ich würde das Thema Industrie 4.0 eigentlich als Marketingbegriff sehen, als Zusammenfassung vieler verschiedener Technologien. Darunter steckt aber genau diese Schnittstellen-Thematik.
Wir in Österreich sind hier noch nicht sehr weit, wir haben keine standardisierten Schnittstellen. Wir sind jetzt erst beim Thema Kfz. Durch den amerikanischen Einfluss versuchen wir gerade Schnittstellen zu machen, eine Priorisierung als Business-Modell, wie weit autonom fahren dürfen wir.
Industrie 4.0 wäre eigentlich eine riesige Möglichkeit in diesem Bereich, etwa was Bussysteme anbelangt oder auch Schnittstellen für Automatisierung zur Verfügung zu stellen. Das wäre jetzt grad der richtige Zeitpunkt…

... um was zu tun?

Wir haben in Österreich nicht solche Großunternehmen. Aber diese Schnittstellen-Thematik geht direkt proportional auf die Stückkosten runter.
Habe ich automatisierte Schnittstellen, kann ich meine Produkte gut produzieren. Und die Produktion in Österreich lassen. Da sind wir im Industrie 4.0-Bereich ein bissel hinterher noch.
Das sind eben genau die ersten Startpunkte in der Industrie. Predictive Maintenance etwa ist sehr weit. Darunter brauch ich einmal standardisierte, normalisierte Datenbereiche auf die ich Predictive Maintenance aufbauen kann und damit aber sofort im operativen Investment zu zeigen was ich mir damit sparen kann.

Wie ließe sich das dann im Markt umsetzen?

Es wird Initialzündungen brauchen, dass einige große Unternehmen auf diesen Zug aufspringen und dann würde das weitergehen. Wenn ich ein Industrieunternehmen habe, ist der Logistiker gefordert und mit dem Logistiker sind wieder andere Bereiche gefordert.
Da hätten wir dann wahrscheinlich eine kritische Masse, dass das auch in Österreich ein bissel in Gang kommt. (red/czaak)

Link: www.bd421.com

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“Technologies are not job killers, they keep our production here.”

The books & docs company concentrates on the individualisation and automation of technical production processes and industrial processes. Company founder Rene Heinzl sees many possibilities for retaining established production sites in Austria and creating new ones alongside them. Economy talked with digitalisation experts about the upgrades that are urgently needed in the educational and training system. They discussed monetisation systems for Intellectual Property and Publishers as well as established standards in data management.

Economy: Rene Heinzl, managing director of books & docs and expert in digital processes. How do you regard the insertion of new technologies in companies?

Rene Heinzl: In Austria, we tend to joke that we are usually three to four years too late, and I have to confirm that this is the case. In the technology sector, we are lagging many years behind.
Furthermore, we have not incorporated any new training courses for this - for instance, Data Science or Big Data. However, this is what we are starting to do now. In America or in Switzerland, these kinds of training courses have been running for five to seven years.
We are lagging behind in this industry; Industry 4.0 is just a marketing term to us. We are strongly focussed on SMEs, which frequently don’t have time to think about new technologies.
That is a shame, because technologies are not job killers, they are there to serve and to optimise, for instance, by breaking down unit costs and offering possibilities which we don’t even envisage here in Austria.

What is this due to?!

We have good engineers, we have intelligent people and a beautiful country with good overall conditions; we just need a bit more confidence in certain respects. Incorporating technologies, to enable us to keep our production here.
Through automation technology we can easily see how unit costs can be reduced over time. Our lesson and appointment planner will be sold for about 19 euros after tax.
People will always say I cannot produce cheaply in Austria. That is true, unless I install new technologies.
Technology can be a powerful ally in optimising our existing job market and is probably extremely underestimated.

Are you considering joint business platforms?

I think publishers are asking the same questions, and companies in general that are seeking to monetise the field of Intellectual Property.
What Austria and the whole of Europe needs is a modern business concept for publishers, one that has not been realised over this precise platform of ideas as yet.
We have already tried to migrate several Austrian publishers together onto one, Single Authentication platform, Digital Goods basket and monetisation of Intellectual Property. These are, precisely, the big questions.

... the subject of monetization?

One of the possibilities might be that publishers could monetise their own potential. That would entail little more than a spark of initiative.
Hopefully Google won’t get around to it first, by taking away the publishers’ last domain, now that they have already largely taken away their marketing edge.
That is also an important point for our company. We are still too small for that, but in cooperation with publishers it’s a very interesting question.

The general theme is developing an interface for procedures and standardisation?

Yes, that is the purpose of Industry 4.0. I would view the subject of Industry 4.0 as a marketing term, as an umbrella term for many different technologies. But, beneath all this, is the crucial issue of an interface.
In Austria, we have not got very far as we have no standardised interfaces between technologies. We have only just got to the subject of vehicles. American influence is behind our current attempt at creating interfaces, prioritising business models and seeing how far we can move forward autonomously.
Industry 4.0 would actually be a major possibility in this region with regard to bus systems, or for making interfaces available to automation. Right now would be the right time for it.

... to do what?

In Austria we do not have such big corporations. However, this interface issue is directly proportional to unit costs.
If I have automated interfaces, then I can do a good job of producing my products and of keeping production in Austria, where we are still lagging a bit behind in the Industry 4.0 area. These are the actual starting points in the industry.
Our Predictive Maintenance, for example, is really advanced. Here I would need standardised and normalised data regions onto which I can build Predictive Maintenance, then I can show in the operative investment how much I can save with them.

How could that be adapted to the marketplace?

It will need some initial ignition to make larger companies jump on the bandwagon and then it would work. If I have an engineering company, then the logistics expert is challenged and then other areas are challenged as well.
Then we would probably have a critical mass before it kick-starts in Austria, too. (red/czaak; translation by economy)

Links

red/czaak; translation by economy, Economy Ausgabe web, 21.02.2017