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16. October 2018

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„Wir sind kein Selbstbedienungsladen für US-Konzerne!“

„Wir sind kein Selbstbedienungsladen für US-Konzerne!“© piqs.de/rossina bossio bossa

Schulterschluss gegen Verwässerung der EU-Urheberrechtsreform. VOeZ sowie Film- und Musikwirtschaft warnen anlässlich der kommenden EU-Abstimmung zum Urheberrecht vor existentieller Ausbeutung der Contentwirtschaft und fordern entsprechende Rahmenbedingungen für eine funktionierende Medien- und Creativ-Branche.

„Ein neues EU-Urheberrecht muss die europäische Contentwirtschaft auch effektiv vor der kommerziellen Ausbeutung durch Dritte schützen“, deklarieren sich der Verband Österreichischer Zeitungen (VÖeZ), der Verband der österreichischen Musikwirtschaft (IFPI) sowie der Fachverband der Film- und Musikwirtschaft. Anlass ist die Abstimmung des EU-Parlaments über eine Reform des EU-Urheberrechts am 12. September. Die Verbände warnen eindringlich vor einer Verwässerung der Kriterien für den urheberrechtlichen Leistungsschutz und begrüßen die von Medienminister Gernot Blümel sowie den beiden EU-Abgeordneten Lukas Mandl und Axel Voss zuletzt in Wien bekundete Unterstützung.
Im Rahmen der zur Abstimmung kommenden Verordnung geht es im Wesentlichen um große Sharing-Plattformen und Anbieter wie etwa Youtube, die zwar mit Film- und Musikinhalten Milliarden-Umsätze machen, aber für die urheberrechtlich geschützten Inhalte keine Vergütung an die Kulturschaffenden leisten. Dies sei auch ein Wettbewerbsnachteil für europäische Start-Ups, die mit einem monopolartig agierenden Unternehmen konfrontiert werden, das die Eigentums- und Persönlichkeitsrechte der Kunstwirtschaft nicht respektiert.

Die Existienz der europäischen Medien- und Kreativ-Wirtschaft
„Die europäische Contentwirtschaft ist kein Selbstbedienungsladen für US-Konzerne. In einem globalen digitalen Markt braucht es faire Rahmenbedingungen, damit wir den zukünftigen Fortbestand einer funktionierenden Medienlandschaft sowie der Beschäftigungsverhältnisse sicherstellen“, unterstreicht Gerald Grünberger, Geschäftsführer des VOeZ.
„Die aktuelle Version mit einer klaren Verpflichtung der Internet-Plattformen zur Lizenzierung genutzter Inhalte nun ohne gesonderte Uploadfilter ist für die Kreativwirtschaft nicht die Wunschlösung - aber akzeptabel. Jetzt appellieren wir an alle Abgeordneten, mit der Zustimmung Existenz und Zukunft der europäischen Kreativbranchen zu sichern“, betont auch Franz Medwenitsch, Geschäftsführer des Verbands der österreichischen Musikwirtschaft (IFPI).
„Die Film- und Musikwirtschaft appelliert an die Abgeordneten des EU-Parlaments, eine effektiv durchsetzbare Lizenzierung gegenüber den großen Online-sharing Services bei der nächsten Sitzung des EU Parlaments nicht weiter zu verhindern. Stellen Sie sich auf die Seite der Urheber und der Kreativen!“, ergänzt Werner Müller, Geschäftsführer des Fachverbandes der Film- und Musikwirtschaft.

Alle Künstler- und Musiker- sowie alle Journalisten- und Medienverbände
Im Vorfeld der Abstimmung hat sich der VÖZ gemeinsam mit den führenden Journalisten- und Verlegerverbänden Europas EFJ (European Federation of Journalists), IFJ (International Federation of Journalists), EMMA (European Magazine Media Association), ENPA (European Newspaper Publishers‘ Association) und NME (News Media Europe), die zusammen die Interessen zehntausender europäischer Medienhäuser und Journalisten vertreten, dafür ausgesprochen, das Verlegerrecht (Artikel 11) in jener Fassung zu beschließen, die der Rechtsausschuss des EU-Parlaments bereits am 20. Juni empfohlen hat.
Zudem wandten sich mehr als 20.000 Musikschaffende aus ganz Europa an die EU-Institutionen und forderten einen fairen Schutz ihrer Rechte gegenüber den großen Internet-Plattformen. Zahlreiche österreichische Künstler wie die Wiener Philharmoniker, Conchita, Thomas Spitzer (EAV), Thomas Stipsits, Karl Markovics oder Erwin Steinhauer werben in persönlichen Videobotschaften an die EU-Abgeordneten für eine Unterstützung der Copyright-Richtline. Und zuletzt appellieren mehr als 1.200 Kunstschaffende aus Österreich in einem Offenen Brief mit Nachdruck an das EU-Parlament, der geplanten Novelle zum europäischen Urheberrecht zuzustimmen.

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red/czaak, Economy Ausgabe Webartikel, 10.09.2018