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19. Juni 2024

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Die Künstliche Intelligenz erreicht die Filmbranche

Die Künstliche Intelligenz erreicht die Filmbranche© Pexels.com/lenin estrada

FH St. Pölten und Uni Tübingen entwickeln neue Methoden der Filmanalyse. Im Fokus stehen die Themen Filmarchiv und Animationen im Gebrauchsfilm von 1945 bis 1989.

(red/mich) Ein neues Forschungsprojekt mit dem Namen „AniVision“ von Fachhochschule St. Pölten und Universität Tübingen (D) untersucht Animation in Gebrauchsfilmen aus Österreich, Ost- und Westdeutschland zwischen 1945 und 1989. Die Analyse der Filme erfolgt unter Zuhilfenahme automatisierter Methoden der Computer Vision und des maschinellen Lernens.

Neues Augenmerk auf Gebrauchsfilme
„Motiviert durch das Interesse der filmischen Form der Animation mehr Sichtbarkeit zu verschaffen, betrachten wir im Projekt einen Bereich der Stilgeschichte der Animation, der bislang wenig Beachtung erfahren hat“, sagt Franziska Bruckner, Projektleiterin und Chefin der Forschungsgruppe Media Creation am Institut für Creative\Media/Technologies der FH St. Pölten.

Bislang konzentrierte sich die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Themenfeld Animation vor allem auf erzählerische Filme und Serien, experimentelle Filme, visuelle Effekte und animierte Dokumentationen. „In unserem Projekt legen das Augenmerk auf sogenannte Gebrauchsfilme. Dabei handelt es sich um Filme zu Sachthemen, also mit nicht-fiktionalen Inhalten, die üblicherweise eine kurze Nutzungsdauer haben und für spezifische Zwecke produziert wurden“, so Erwin Feyersinger vom Research Center for Animation and Emerging Media am Institut für Medienwissenschaft der Universität Tübingen.

Prozesse im Inneren des Körpers anschaulich darstellen
Bei Gebrauchsfilmen handelt es sich primär um Lehrfilme, Aufklärungsfilme, Werbefilme und Wochenschauen. Animationen dienen hier beispielsweise dazu, beworbene Produkte besser im Gedächtnis zu verankern, Prozesse im Inneren des Körpers anschaulich darzustellen oder eine emotionale Verbindung zum Publikum aufzubauen. Diese Gebrauchsfilme werden in Kinos, im Fernsehen oder bei nicht-öffentlichen Vorführungen gezeigt und verschwinden danach oft in den Filmarchiven.

Im Projekt selbst führen die Forscher eine systematische und datengetriebene Analyse von Animationsstilen in Gebrauchsfilmen durch. Mittels einer interdisziplinären Zusammenarbeit zwischen Informatikern, die automatisierte Methoden für die Analyse der Filme entwickeln und Experten im Bereich Animationsforschung sollen quantitative und qualitative Erkenntnisse über das untersuchte Filmmaterial gewonnen werden.

Interdisziplinäre Zusammenarbeit von Informatik und Animationsforschung
Die Animationsforscher verwenden dabei Werkzeuge der neoformalistischen Filmanalyse mit einer Schwerpunktsetzung auf filmische Stilmittel, die sie mit Ansätzen der quantitativen Filmanalyse, der Animation Studies und der Kunstgeschichte verbinden. Entwickelt werden Methoden des Bildverstehens, der inhaltsbasierten Video- und Bildanalyse sowie des maschinellen Lernens, um Charakteristika des animierten Filmmaterials quantitativ messbar zu machen.

Dazu werden intelligente interaktive Benutzerschnittstellen für die Analyse großer Videokorpora entwickelt und die soll Experten aus der Animationsforschung ermöglichen, große Mengen an Material zu analysieren. „Durch automatisierte Inhaltsanalyse können wir erstmals eine systematische Analyse von Animationsstilen über Ort und Zeit hinweg ermöglichen und intelligente Such- und Vergleichswerkzeuge realisieren“, sagt Matthias Zeppelzauer von der FH St. Pölten.

Neue Methoden für die Filmforschung
Final sollen so neue Methoden für die Filmforschung entstehen, die die automatisierte Aufbereitung von umfangreichen Filmsammlungen ermöglichen soll. Präzise zu segmentieren, animierte Sequenzen zu finden und diese Sequenzen nach stilistischen Kriterien zu klassifizieren und zu vergleichen sind weitere Zielsetzungen beim Projekt.

Untersucht wird auch, wo, wie oft und in welchen Kontexten bestimmte Animationsstile vorkommen und worin sich die Animationen aus Österreich, Ost- und Westdeutschland unterscheiden - bzw. wo es Übereinstimmungen oder auch wechselseitige Einflüsse gab und gibt. So sollen etwa auch historische Trends bei den Animationsstilen nachgezeichnet werden. Entstehen soll dann auch noch ein öffentlich zugänglicher Datensatz mit Begleitmaterialen und Erklärungen.

Links

red/mich, Economy Ausgabe Webartikel, 09.03.2023