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22. April 2024

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Produktivitätsgewinne durch Digitalisierung brauchen Zeit

Produktivitätsgewinne durch Digitalisierung brauchen Zeit© pexels/ivan samkov

Die technischen Neuerungen via Digitalisierung Anfang der 2000er Jahre haben erst mit Verzögerung zu mehr wirtschaftlicher Produktivität geführt, so eine neue ifo-Studie. Abgeleitet werden daraus auch Handlungsempfehlungen.

(red/mich/cc) Ab dem Jahre 2000 stieg Zahl der Handys, der Internet-Nutzer und der Breitband-Nutzer. Die gesamtwirtschaftliche Produktivität verändert sich zunächst nicht messbar, die Unternehmen brauchten Zeit zur Umstellung, etwa zur Digitalisierung ihrer Produktionsprozesse.

Produktionsfaktoren und Betriebsabläufe mussten angepasst werden, Unternehmen brauchten Zeit zum Aufbau neuer Infrastruktur, beispielsweise von Online-Plattformen. Ergänzende Investitionen müssten erst geplant und getätigt werden, bevor sich Produktivitätsgewinne einstellen können. Mitarbeiter mussten zudem im Umgang mit diesen neuen Technologien geschult werden.

Coronakrise brachte weiteren Schub der Digitailsierung
„Für viele Unternehmen war es schwierig einzuschätzen, welche neuen Technologien sinnvoll eingesetzt werden können“, erläutert Robert Lehmann, Wirtschaftsforscher beim deutschen ifo-Institut. „Neue Technik verbreitet sich nicht schlagartig. Das bedeutet real eine Verzögerung der theoretisch sofort möglichen Produktivitätsgewinne“, so Lehmann.

Aus Sicht der ifo-Experten stiegen die durch die Digitalisierung mögliche Produktivität der untersuchten Wirtschaftsbereiche ab Anfang der 2000er Jahre erst am Ende des Jahrzehnts an. Einen weiteren Schub für die Digitalisierung brachte dann auch die Coronakrise mit sich.

Studienergebnisse bringen auch einige Handlungsempfehlungen
Aus den Ergebnissen der Studie lassen sich auch einige Handlungsempfehlungen ableiten, um die Produktivitätsgewinne der Digitalisierung zu beschleunigen. „In Zukunft könnte ein erleichterter Zugriff auf Wagniskapital den Zugang vieler Unternehmen zu finanziellen Ressourcen erleichtern, was wiederum die Möglichkeiten zur Forschungs- und Entwicklungstätigkeit ankurbelt“, sagt Lehmann.
Ebenso könnten steuerliche Anreize zur Unterstützung von Forschung und Trainingsmaßnahmen gesetzt werden und auch die Förderung von Homeoffice oder Hybridarbeit könnte erweitert werden. Kombiniert mit zusätzlichen Investitionen im Breitbandausbau könnte auf diese Weise weiteres Produktivitätspotenzial der neuen Technologien ausgeschöpft werden. „Ähnlich wie bei der ersten Digitalisierungswelle dürfte es aber auch hier dauern, bis sich die Produktivitätsgewinne bemerkbar machen“, resümiert Robert Lehmann vom ifo-Institut.

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red/mich/cc, Economy Ausgabe Webartikel, 31.01.2023