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08. August 2022

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Das Unternehmen Familie

Das Unternehmen Familie© Pexels.com/Craig Adderley

Familien schaffen pro Jahr allein in Österreich 93 Milliarden Euro an Wertschöpfung über Transferleistungen. Studie von Akademie der Wissenschaften und TU Wien beleuchtet die Familie als Wirtschaftsfaktor.

(red/czaak/mich) Zur Thema Umverteilung von Geld, Gütern und Dienstleistungen innerhalb von Familien gab es bisher kaum belastbare Daten. Eine aktuelle Studie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und der TU Wien zeigt nun den enormen wirtschaftlichen Wert derartiger innerfamiliärer Transferleistungen, deren Wert sich allein in Österreich auf rund 93 Milliarden Euro pro Jahr summiert.

Zu diesem Ergebnis kommen Bernhard Binder-Hammer und Alexia Prskawetz vom Institut für Demographie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) und der TU Wien haben dieses Ergebnis ermittelt und soeben in einer neuen Publikation in der Fachzeitschrift Empirica veröffentlicht. Die zwei Bevölkerungsökonomen untersuchten dabei insbesondere, wie Familien durch Geldtransfers und unbezahlte Arbeit zur Umverteilung zwischen den Generationen und Geschlechtern beitragen.

Wenig Daten zu Familien und deren Leistungen
„Innerfamiläre Umverteilung wird in keinen Wirtschaftsdaten direkt erfasst“, erörtert Binder-Hammer die herausfordernde Ausgangslage am Beginn der Untersuchungen. Einen Ausweg boten dann die sogenannten Nationale Transferkonten. „Wir kombinieren Daten zu Einkommen und Konsum und verwenden darüber hinaus auch Daten aus der Zeitververwendungserhebung, wo unter anderem nach unbezahlter Arbeit im Haushalt und Kinderbetreuung gefragt wird“, so Binder-Hammer zum methodischen Vorgehen.

Wird auch die unbezahlte Arbeit miteingerechnet, dann beliefen sich die innerfamiliären Transfers in Österreich im Jahr 2015 auf etwa 93 Milliarden Euro, was 38 Prozent der gesamten Einkommen in Österreich entspricht. Aktuellere Daten wird es erst heuer wieder geben. Die Wissenschaftler gehen aber nicht davon aus, dass es seither zu größeren Verschiebungen gekommen, mit Ausnahme der beiden Corona-Jahre, wo Familien mehr Betreuungsleistungen übernommen haben.

Kinder als Hauptprofiteure von Transfers
Die Hauptempfänger innerfamiliärer Transferleistungen sind Kinder, die im Alter von 15 Jahren mit durchschnittlich etwa 11.000 Euro pro Kopf und Jahr ihren Höhepunkt erreichen. Damit wird rund ein Drittel des Einkommens der Eltern für die Kinder aufgewendet. Die gesamten Einkommenstransfers an die Bevölkerung unter 25 Jahren belaufen sich auf 19 Milliarden Euro im Jahr. Doch nicht nur Geld, sondern auch unbezahlte Arbeit wie Kinderbetreuung und Haushaltsarbeit bildet eine zentrale Transferleistung zwischen den Generationen.

Allein in den ersten beiden Lebensjahren erfordern Kinder etwa sieben Stunden an unbezahlten Dienstleistungen pro Tag. „Wird die gesamte unbezahlte Familienarbeit mit Löhnen für ähnliche Tätigkeiten bewertet, beträgt der ökonomische Wert dieser Transfers an alle unter 25 weitere 31 Milliarden Euro“, so die OeAW in einer Aussendung. Den familiären Leistungen für Kinder und Jugendliche in Höhe von insgesamt 50 Milliarden stehen Transfers des Staates für die Bevölkerung 60+ von rund 58 Milliarden Euro gegenüber.

Mehr unbezahlte Arbeit von Frauen
Weil Männer in Österreich im Schnitt mehr verdienen, sind sie für den Großteil der monetären Transfers innerhalb von Familien verantwortlich. Bei der unbezahlten Erziehungs- und Hausarbeit ist das Geschlechterverhältnis dann aber umgekehrt, hier leisten Frauen den Löwenanteil. „Unbezahlte Arbeit wird im Pensionssystem nicht honoriert. Frauen sind hier klar benachteiligt und das betrifft auch die Doppelbelastung, wenn diese zusätzlich im Berufsleben stehen“, sagt Prskawetz.

„Niedrige Einkommen und niedrige Pensionen aufgrund von Betreuungspflichten für Kinder betreffen letztlich die wirtschaftliche Situation der Familie als Ganzes“, ergänzt Binder-Hammer. Die ForscherInnen hoffen durch ihre Arbeit nun auf eine bessere und differenziertere Datenlage. „Was nicht gemessen wird, ist oft unsichtbar, selbst wenn es sich um zentrale Leistungen handelt wie jene von Familien. Unsere Arbeit zeigt, welche Rolle solche verborgenen Transfers für die Gesellschaft spielen und soll bei Reformen für Familien mithelfen“, unterstreichen Bernhard Binder-Hammer und Alexia Prskawetz von Österreichischer Akademie der Wissenschaften (ÖAW) und TU Wien.

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red/mich/czaak, Economy Ausgabe Webartikel, 13.06.2022