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26. October 2020

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Österreicherin neue Präsidentin der ESGO

Österreicherin neue Präsidentin der ESGO© Med Uni Innsbruck/privat

Mit Nicole Concin wird 2021 erstmals eine österreichische Spitzenmedizinerin der Europäischen Gesellschaft für gynäkologische Onkologie (ESGO) vorstehen. Die Professorin für Experimentelle Frauenheilkunde arbeitet an der Med Uni Innsbruck und will in ihrer neuen Funktion primär Vorsorge und Therapie weiter verbessern.

(red/mich) Als erste Österreicherin wird Nicole Concin von der Medizinischen Universität Innsbruck 2021 Präsidentin der ESGO. Die gynäkologische Onkologin und Professorin für Experimentelle Frauenheilkunde fungiert derzeit im ESGO Vorstand als „gewählte“ Präsidentin. Anlässlich des Welttags der gynäkologischen Onkologie (Anm. 20. September) macht die international renommierte Expertin nun darauf aufmerksam, dass es in ihrem Fachgebiet noch viel zu tun gibt.

Zahlreiche neue Medikamente
„Es ist wichtig, die Vorsorge und Behandlung von Patientinnen mit gynäkologischen Malignomen weiter zu verbessern“, so Nicole Concin. Auch die Ausbildung in ihrem Fachgebiet soll verbessert werden. Darüber hinaus ist es der Frauenonkologin ein großes Anliegen, dass gerade frühe, klinische Studien gut organisiert werden. Im Comprehensive Cancer Center Innsbruck“ (CCCI) ist die gynäkologische Onkologin gemeinsam mit Dominik Wolf (Hämatologie und Onkologie) und Stefan Kiechl (Neurologie) für die interdisziplinäre „Early Drug Development Unit“ zuständig.

„Während wir früher nur eine Handvoll verschiedener Chemotherapeutika zu Verfügung hatten, ist es in den letzten zwanzig Jahren zur Entwicklung von zahlreichen neuen Medikamenten gekommen, die in tumorspezifische Signalwege eingreifen. Diese Therapeutika werden heute als sogenannte molecular targeted agents bezeichnet“, sagt Concin. „Die Entwicklung dieser Medikamente birgt jedoch einige Herausforderungen. Daher ist es wichtig, dass die ersten klinischen Studien gut und richtiggemacht werden, damit wir keine Chancen für unsere Patientinnen vergeben“, unterstreicht Concin.

Operation am richtigen Ort 
Die höchsten Sterberaten unter den gynäkologischen Malignomen hat der Eierstockkrebs (Anm. Ovarialkarzinom). Pro 100.000 Frauen in der Bevölkerung kommt es zu rund 15 Neuerkrankungen und zehn Sterbefällen pro Jahr. „Gründe für die vergleichsweise hohe Sterberate sind, dass die Erkrankung in rund zwei Drittel der Fälle erst in einem fortgeschrittenen Stadium diagnostiziert wird, spezifische Frühsymptome fehlen und es keine effiziente Screeningmethode zur Früherkennung gibt“, sagt Concin.

Aktuell besteht die primäre Behandlung aus einer Operation um den gesamten sichtbaren Tumor zu entfernen und aus einer anschließenden Chemotherapie. Auch Medikamente, die die Blutzufuhr zum Tumor oder die DNA Reparatur hemmen, kommen zum Einsatz. „Ein entscheidender Faktor für das Überleben von Patientinnen ist der zurückgelassene Tumorrest nach der primären Operation. Daher ist es von größter Wichtigkeit, dass der operative Eingriff an einem spezialisierten Zentrum für gynäkologische Onkologie durchgeführt wird“, sagt Concin. Die Gynäkologische Abteilung an der Medizinischen Universität Innsbruck ist ein solches ESGO zertifiziertes Zentrum.

Nicole Concin
Nicole Concin (47) hat in Wien in Medizin promoviert, kam 2000 an die Innsbrucker Uniklinik für Frauenheilkunde und absolvierte während ihrer Assistenzärztinnen-Zeit auch ein Fellowship in New York. 2006 schloss sie die Facharztausbildung ab und habilitierte zum Thema Eierstockkrebs. 2012 wurde sie an der Medizinischen Universität Innsbruck zur Professorin für Experimentelle Frauenheilkunde berufen. Neben ihrer Professur in Innsbruck arbeitete Concin im klinischen Bereich als gynäkologische Onkologin an der Katholischen Universität in Leuven (Belgien) und seit letzten Jänner 2020 auch am größten operativen Eierstockkrebs-Zentrum Europas in Essen (D).

Sie ist seit fünf Jahren im Vorstand der ESGO und leitete dort mehrere Jahre das Leitlinien-Komitee. Concin ist im Vorstand der Österreichischen Arbeitsgemeinschaft für Gynäkologische Onkologie (AGO), und Co-Chair des Europäischen Early Drug Development Netzwerkes der ENGOT (European Network of Gynaecological Oncological Trial groups). Sie leitet zudem mehrere internationale klinische Studien, Forschungsprojekte (Anm. u.a. das EU-Projekt GANNET53) und Europäische Leitlinienprojekte zur Behandlung von gynäkologischen Malignomen.

Die ESGO
Die Europäischen Gesellschaft für gynäkologische Onkologie (ESGO) ist eine europaweite Vereinigung, mit dem Ziel die Vorsorge, Behandlung und Erforschung gynäkologischer Krebserkrankungen zu optimieren. Die Organisation mit als 2400 ÄrztInnen und WissenschafterInnen aus über 40 europäischen Länder wurde 1983 gegründet. ESGO bietet Programme zur strukturierten Ausbildung an, hat die erste, europäische Prüfung in Gynäkologischer Onkologie eingeführt und ermöglicht Zertifizierungsprozesse von klinischen Zentren.

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red/mich, Economy Ausgabe Webartikel, 21.09.2020