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18. August 2018

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Kosten von fünf Milliarden Euro

Kosten von fünf Milliarden Euro© Bilderbox.com

Ein Handelskrieg mit den USA bei Autos würde Deutschland fünf Milliarden Euro kosten.

Im direkten Kontext mit der Wirtschaftsleistung wäre in der EU Ungarn mit 213 Millionen oder rund 0,2 Prozent des BIP am stärksten von den Zöllen betroffen, Österreich mit rund 200 Millionen oder 0,05 Prozent beim BIP, so aktuelle Berechnungen des Instituts für Wirtschaftsforschung (ifo) Leibnitz.
Die von den USA angedrohte Einführung von Zöllen auf Autoimporte würde Deutschland wirtschaftspolitisch empfindlich treffen. Das deutsche Bruttoinlandsprodukt würde im Vergleich zum jetzigen Zustand um etwa 5,0 Milliarden Euro niedriger liegen. „Kein Land hätte höhere absolute Verluste durch einen solchen Zoll zu befürchten als Deutschland“, sagt Gabriel Felbermayr, Leiter des Leibnitzer ifo Zentrums für Außenhandel. „Die Effekte der ab 1. Juli vermutlich geltenden Zölle auf Aluminium- und Stahlprodukte sind mit etwa 40 Millionen Euro dagegen vergleichsweise vernachlässigbar“, so Felbermayr weiter.
In der EU wären kleinere Zulieferländer in Europa, allen voran Ungarn, relativ zur Wirtschaftsleistung am stärksten von den Zöllen betroffen. Mexiko und Kanada müssten bei US-Autozöllen Einbußen von 3,7 bzw. 3,2 Milliarden  Euro hinnehmen, das sind rund 0,4 Prozent und 0,2 Prozent der jeweiligen Wirtschaftsleistungen. Auch Japan und Korea, ebenfalls wichtige Auto-Exporteure in die USA, kämen auf Verluste von 4,3 und 2,3 Milliarden Euro.

Erhöhte Preise für Amerikaner als Kehrseite der Medaille
Die USA hingegen könnten ihre preisbereinigte Wirtschaftsleistung durch Autozölle um 5,7 Milliarden Euro erhöhen. Dahinter verbergen sich starke Verteilungseffekte. Die amerikanischen Autokäufer müssten mit rund 20 Prozent höheren Preisen für Import-Autos rechnen. In den USA produzierende Auto-Hersteller wie BMW, Daimler oder Volkswagen würden unter höheren Produktionskosten leiden, könnten aber höhere Preise durchsetzen. Der US-Staat würde Zoll-Einnahmen in der Höhe von mehreren Dutzend Milliarden Euro erhalten.
Aktuell hat nun US-Präsident Donald Trump seinen Handelsminister beauftragt, zu prüfen, ob die Sicherheit Amerikas durch Importe von Autos beeinträchtigt sei, und gegebenenfalls die Erhöhung der US-Importzöllen um 25 Prozent-Punkte (von 2,5 Prozent auf 27,5 Prozent) angekündigt. Die Importe der USA von Autos und Autoteilen beliefen sich im Jahr 2017 auf 360 Miliarden US-Dollar.

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red/cc, Economy Ausgabe Webartikel, 29.05.2018