Unabhängiges Magazin für Wirtschaft und Bildung

17. Dezember 2017

Search form

Search form

Handy ... bitte voll tanken

Handy ... bitte voll tanken© Bilderbox.com

Während neue Akkutechnologien noch im Forschungsstadium sind, konzentrieren sich manche Anbieter auf die Brennstoffzelle als Energielieferant. Einige Hersteller zeigen bereits Prototypen.

Wer kennt nicht das Problem, dass mitten in einem wichtigen Gespräch der Handy-Akku seinen Geist aufgibt. Oder schlimmer: Man arbeitet seit Stunden an einer wichtigen Präsentation, und das Notebook fällt in den kurz davor angekündigten Tiefschlaf. Natürlich hat man das Netzteil nicht dabei. Die Lösung dieses Problems sollen kleine Brennstoffzellen bringen, die leichter, zuverlässiger und umweltfreundlicher sind als Batterien und Akkus. Mit einem Wirkungsgrad zwischen 50 und 83 Prozent erlauben sie eine kontinuierliche Brennstoffversorgung, müssen also nicht aufgeladen werden. Je kleiner, desto teurer war die bisherige Devise bei herkömmlichen Batterien. So kostet eine Kilowattstunde elektrischer Energie aus einer Knopfzelle, wie sie in Armbanduhren üblich ist, weit über 5.000 Euro. Entnimmt man die gleiche Energiemenge TaschenlampenBatterien, so kostet sie noch 50 bis 100 Euro. Nickel-Cadmium-Akkus, die 500-mal aufgeladen werden können, liefern die Kilowattstunde Strom immerhin schon zu zwei bis fünf Euro. 16 Eurocent kostet Strom aus der Steckdose. Vor einigen Jahren stellte das Fraunhofer Institut für Solare Energiesysteme (ISE) eine Brennstoffzelle vor. Sie hatte die Größe einer Untertasse und lieferte bis zu 50 Watt. Motorola zeigte vor fünf Jahren ein Modell, das nicht mit gasförmigem Wasserstoff arbeitete, sondern direkt flüssiges Methanol, das in Patronen zugeführt wird, in Strom umwandelt. Die Entwicklung soll in Kürze marktreif sein. An einer Mikrobrennstoffzelle mit einer Dicke von rund 2,5 Millimetern arbeitet ein Team des ISE in Zusammenarbeit mit der Universität Freiburg. Die Zelle ist so flexibel, dass sie in dünne Trägermaterialien eingearbeitet werden kann.

Wasserstoff aus Flüssiggas
Die kleinen Brennstoffzellen für Computer, Handys und andere tragbare Geräte können mit Methanol-Patronen versorgt werden. Da Methanol giftig ist, wird nach Alternativen gesucht, bei denen direkt Wasserstoff als Brennstoff eingespeist wird. Das ISE entwickelt Wasserstoffspeicher für tragbare Anwendungen. Ein Beispiel ist ein autothermer Propanreformer, der aus handelsüblichem Flüssiggas kostengünstig Wasserstoff erzeugt. Dadurch wird, unabhängig von Versorgungsnetzen, die geräusch- und fast schadstofflose Stromerzeugung möglich. Eine Kombination von Brennstoffzelle mit einem leistungsfähigen Nickel-Zink-Akku als Pufferbatterie habe die besten Marktchancen für mobile Anwendungen, so Entwickler von Energy Vision aus dem kanadischen Ottawa. Zu einem Fünftel des Preises einer normalen Brennstoffzelle soll so ein Hybridsystem zu verwirklichen sein. Doch da scheint Panasonic mit seiner Konzernschwester Matsushita Battery Industrial die Nase vorne zu haben. Auf der Consumer Electronics Show (CES) im Jänner in Las Vegas hat Panasonic Notebooks mit einer Brennstoffzelle präsentiert. Sie soll über eine Betriebsdauer von bis zu 20 Stunden verfügen und eine Leistung von 25 Watt haben. Sie wiegt nur 450 Gramm und arbeitet mit Methanol. Weitere Hersteller werden mit ähnlichen Produkten folgen, andere, wie Nokia, haben ihre Entwicklungen auf Eis gelegt.

Ausgewählter Artikel aus Printausgabe 03/2006

Klaus Lackner, Economy Ausgabe 03-02-2006, 28.02.2017