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30. Mai 2024

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Mehr Konsum bei Kokain und Cannabis

Mehr Konsum bei Kokain und Cannabis© pexels/joseph eulo

Die Abwasseranalyse zum Drogenkonsum in Österreich 2023 zeigt Anstieg bei Kokain und ungebrochene Dominanz bei Cannabis. Gerichtsmedizin der Med Uni Innsbruck verantwortet Drogenmonitoring seit 2016.

(red/czaak) Soeben wurden europaweit wieder die Ergebnisse des jährlichen, abwasserbasierten Drogenmonitorings veröffentlicht. Die Analyse für Österreich liefert seit 2016 das forensisch-toxikologische Labor am Institut für Gerichtliche Medizin (GMI) der Medizin Uni Innsbruck. Die Daten für 2023 zeigen für Österreich einen Platz Mittelfeld. Unter den verbotenen Substanzen wird Cannabis am häufigsten konsumiert, der Verbrauch von Kokain steigt an. Auf Basis der gewonnenen Daten werden nunmehr in Kufstein und Wien bereits Maßnahmen gesetzt.

Im Schnitt drei bis vier Zigaretten und 0,07 Joints und rund 1,5 Milligramm aufputschende Drogen
„Einwohner:innen aus einer der 16 untersuchten Regionen in Österreich trinken im Schnitt täglich etwas mehr als ein Glas Wein, rauchen drei bis vier Zigaretten und konsumiert 0,07 Joints sowie rund 1,5 Milligramm an aufputschenden Drogen“, erläutert Herbert Oberacher, Chemiker und Leiter des forensisch-toxikologischen Labors am GMI der Med Uni Innsbruck die Ergebnisse der Abwasseranalyse für Österreich. Der aktuelle Bericht wurde soeben mit dem Europäischen Bericht zum Drogenmonitoring veröffentlicht.

Auch 2023 findet sich keine einzige der in Österreich und Südtirol überwachten Regionen unter den zehn konsumstärksten – und so bleibt Österreich beim Drogenkonsum im europäischen Mittelfeld. Für den Drogenbericht, der von der Europäischen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (EMCDDA) jährlich veröffentlicht wird, wurden im Jahr 2023 europaweit die Abwässer von insgesamt 112 Städten und Regionen untersucht, darunter 16 Kläranlagen in Österreich von in Summe rund 160 Gemeinden, und dazu eine Südtiroler Kläranlage. „Österreich liefert damit vierzehn Prozent aller europäischen Datensätze“, so Oberacher.

Rückschlüsse auf Drogenkonsum von 3 Millionen Menschen in Österreich und Südtirol
Die Untersuchung lässt Rückschlüsse auf den Drogenkonsum von 3 Millionen Menschen in Österreich und Südtirol zu. Für die jährliche SCORE-Studie wurden im Frühjahr und Frühsommer 2023 über einen Zeitraum von einer Woche täglich Proben vom Zufluss der Kläranlagen entnommen und von den Expert:innen des GMI mithilfe modernster analytisch-chemischer Verfahren ausgewertet.

Untersucht wurden die sogenannten Konsummarker (Anm. Drogen bzw. deren Stoffwechselprodukte) der Suchtgifte Tetrahydrocannabinol (THC, Wirkstoff in Cannabis), Kokain, Amphetamin (Wirkstoff in Speed), 3,4-Methylendioxy-N-methylamphetamin (MDMA, Wirkstoff in Ecstasy) und Methamphetamin (Wirkstoff in Crystal Meth), sowie Alkohol und Nikotin.

Die Ergebnisse im Detail
Die Abwässer aus den Kläranlagen liefern grundsätzlich wichtige Informationen für die Überwachung der öffentlichen Gesundheit. Eine besondere Stärke des abwasserbasierten Drogenmonitorings ist die Möglichkeit des Vergleichs unterschiedlicher Regionen. So ergab die Analyse, dass der Pro-Kopf-Konsum an Alkohol und Nikotin innerhalb Österreichs relativ einheitlich ist. Bei den verbotenen Drogen bietet sich ein weniger homogenes Bild: In allen Regionen war Cannabis die dominierende Droge, wobei der THC-Konsum im urbanen Raum höher ist, als in ländlichen Gegenden. Die mittlere tägliche Konsummenge an THC lag bei 11 Gramm pro 1.000 EinwohnerInnen.

Unter den Stimulanzien ist Kokain die umsatzstärkste Droge, hier lag die mittlere tägliche Konsummenge bei 1.3 Gramm pro 1.000 EinwohnerInnen. In Westösterreich und Südtirol wird Kokain pro Kopf in größeren Mengen konsumiert, als in Ostösterreich. Den höchsten Pro-Kopf-Verbrauch an Kokain verzeichnete auch im Jahr 2023 Kufstein, dort wird auch am meisten Cannabis konsumiert. Die größten Pro-Kopf-Konsummengen des Wirkstoffs Amphetamin (Speed) ließen sich in Graz nachweisen, beim Konsum von Metamphetamin (Crystal Meth) führen Wiener Neustadt und Steyr.

Abwasseranalyse liefert auch Konsummuster
Der MDMA (Ecstasy) Konsum scheint in urbanen Regionen höher zu sein, als in ländlichen. Der Spitzenwert wurde dabei auch hier in Graz beobachtet. Die West-Ost-Verteilung von Stimulanzien und synthetischen Drogen ist nicht auf Österreich beschränkt, sondern spiegelt sich in Europa wider. In Südtirol scheint der Pro-Kopf-Konsum der untersuchten Genuss- und Suchtmittel niedriger als in Österreich zu sein. Ein Vergleich von Süd- und Nordtirol lässt sich anhand der Daten aus den Landeshauptstädten anstellen: In Bozen war der Pro-Kopf-Verbrauch von Alkohol, Nikotin, Cannabis, Amphetamin und MDMA geringer als in Innsbruck, jener von Kokain vergleichbar.

Anhand der Abwasseranalyse lassen sich auch Konsummuster erkennen: So wurden in vielen Regionen am Wochenende höhere Alkohol-, Kokain-, Amphetamin-, Methamphetamin- und MDMA-Umsätze als an Wochentagen festgestellt, was für deren Verwendung als „Partydrogen“ spricht. Regelmäßige Abwasseranalysen ermöglichen das Erkennen von zeitlichen Trends am Drogenmarkt. „Eine Entwicklung, die wir seit Jahren in Österreichs Abwässern beobachten, ist die Zunahme der Menge an Kokainrückständen“, erklärt Studienleiter Oberacher.

Maßnahmen in Kufstein und Wien belegen Mehrwert für die öffentliche Gesundheit
Die im Rahmen des SCORE Netzwerks über den Substanzkonsum erhobenen Daten liefern den Behörden und politisch Verantwortlichen Entscheidungshilfen, um geeignete Maßnahmen ausarbeiten und umsetzen zu können. „Für die Stadt Wien stellt dieses Instrument ein weiteres wichtiges Werkzeug für die Einschätzung zu aktuellen und zukünftigen Herausforderungen und dazu passende Ableitungen dar. Aber auch die Maßnahmen der Polizei in Kufstein können als Best-Practice-Beispiel gewertet werden“, erklärt Herbert Oberacher.

Basierend auf der Abwasserstudie aus dem Jahr 2022 hat das Kufsteiner Bezirkspolizeikommando sowohl präventive als auch operative Maßnahmen gesetzt. So wurde etwa auf Bezirksebene eine Offensive im schulischen Bereich gestartet, die darauf abzielt, das Unrechtsbewusstsein der Jugendlichen zu schärfen, sowie für Gefahren zu sensibilisieren. Außerdem erhielten Beamte aus dem Bezirk eine spezielle Schulung im Landeskriminalamt (LKA) und arbeiten nun fast ausschließlich im Suchtmittelbereich. Die Bekämpfung der Suchtmittelkriminalität bildet weiterhin einen Schwerpunkt in der Polizeiarbeit des Bezirks.

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red/czaak, Economy Ausgabe Webartikel, 22.03.2024