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20. November 2018

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Lassen Sie sich nicht beeindrucken!

Lassen Sie sich nicht beeindrucken!© T-Systems Austria

Betriebliche Innovation braucht ganzheitliche Planung. Ein Expertenkommentar von Markus Berger, Head of Big Data & Business Intelligence bei T-Systems Austria.

Die Anwendung digitaler Innovationen wie Big Data verlangt neben Fachwissen vor allem eine ganzheitliche und zukunftssichere Strategie. Haben Ihre Kollegen oder Mitarbeiter wirklich eine Ahnung von Big Data oder sind diese nur „Buzzword Repeater“? Lassen Sie sich keinesfalls von Use Cases beeindrucken! Big Data ist neben der Digitalisierung wohl eines der Top IT Buzzwords der letzten Jahre. Die Betrachtung dieses Themenkomplexes ist jedoch fast ausschließlich auf Use Cases fokussiert.
Es stellen sich also die Fragen, wie man Technologien wie Hadoop&Co für sein Geschäft einsetzen, wie man mit vorausschauender Wartung die Kosten reduzieren oder wie man jeglichen Bedarf schon im Vorfeld vorhersagen (Predictive Analytics) kann. Die Königsdisziplin im Zusammenhang mit Big Data ist jedoch ganze Branchen zu verändern. Im Fokus muss der unternehmerische Vorteil stehen. Die Aufgabe der IT ist die bestmögliche Unterstützung des betrieblichen Geschäfts. In diesem Zusammenhang jedoch sträflich vernachlässigt sind Fragen nach Machbarkeit, Sinnhaftigkeit, Nachhaltigkeit und den Total Cost of Ownership (TCO) der Big Data Lösung.

Der Clou liegt in der Kombination
Das Top Management denkt oft, dass der „Data Lake“ als Sammelplatz für Unternehmensdaten aller Art die einzige Lösung sei. Da Software so gut wie nichts kostet und Speicherplatz auch kein Problem darstellt, lautet das Credo oft: Wir legen mal alle Daten ab und dann sehen wir weiter, wie die „Data Scientists“ alle Fragen beantworten. Soweit die Theorie. In der Praxis existieren bereits oft Data-Warehouse (DWH) und Business Intelligence (BI) - Lösungen, die aus Daten bereits Informationen erzeugen und dabei mehr oder minder verlässlich sind.
Soll man jedoch das alte Data-Warehouse aufgeben und geht das überhaupt? Nein, nicht heute und auch nicht zukünftig. Klassische Informationssysteme haben auch weiterhin ihre Berechtigung, da Daten transformiert, angereichert und verbunden werden, diese auch qualitätsgesichert sind und nicht von Anwendern im Fachbereich direkt genutzt werden können. Der Clou liegt im Zusammenspiel klassischer DWH und BI- und neuen Big Data-Lösungen.

Die Enttarnung von „Buzzword-Repeatern“
Auch das externe Reporting oder Finanzreporting gehören weiter qualitätsgesichert ins DWH. Ad hoc Analysen und Data Science beschäftigen sich oft mit Rohdaten und passen daher in den „Data Lake“. Dazu macht es Sinn auch die Datenströme innerhalb des Unternehmens zu integrieren. Moderne Werkzeuge schaffen es Rohdaten nachvollziehbar und effizient sowohl in ein DWH zu bringen, als auch in den „Data Lake“. Spätestens hier wird es heikel und kostenintensiv und nicht zu investieren, kann ein noch teureres Erwachen bringen. Jeder funktionierende Big Data-Use Case, der als Proof of Concept funktioniert, muss auch real funktionieren. Auch die betrieblichen Kosten müssen vollständig und transparent sein.
Um abschließend zur Enttarnung von „Buzzword Repeatern“ beizutragen: Stellen Sie ihren Kollegen folgende Fragen: Wie ist die Big Data Strategie in bestehende Reporting- und Analytics-Anwendungen eingebunden, gibt es eine gemeinsame Strategie für Datenintegration, wie sehen Kosten und Nutzen der Big Data-Lösung im Echtbetrieb aus? Sollten Sie mit einer der Antworten nicht zufrieden sind, holen sie sich einen Experten.

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Markus Berger, Economy Ausgabe Webartikel, 03.07.2018