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25. Juli 2024

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„Schwindender Optimismus kommt wenig überraschend“

„Schwindender Optimismus kommt wenig überraschend“© pexels/serkanggoktay

Neben schlechterer Geschäftslage und fehlendem Personal sinken auch die Umsatzprognosen heimischer Betriebe. Fünfzig Prozent geben in neuer Erhebung des KSV1870 aber immer noch gute Bewertung.

(red/czaak) Die Geschäftslage der heimischen Unternehmen hat sich im Vergleich zum März 2023 verschlechtert. Aktuell bewerten aber immer noch 50 Prozent der Betriebe diese mit „sehr gut“ oder „gut“. Grund für den Abwärtstrend sind negative Einflüsse, die zunehmend vielfältiger werden. Im Fokus stehen insbesondere die Themen Inflation und Preissteigerungen auf Lieferantenseite.

Mehr Beachtung für Cyber-Sicherheit im Kontext mit neuen EU-Richtlinien
Abgefragt im Kontext mit neuen gesetzlichen Regularien wurde auch das Thema Cybersicherheit und da haben 41 Prozent der Betriebe einen zu geringen oder gar keinen Fokus. Und das, obwohl im Herbst 2024 mit der EU-NIS2-Richtlinie eine weitreichende gesetzliche Verschärfung wartet. Diese kann für viele Betriebe eine existenzielle Frage, so ein weiteres Ergebnis des Austrian Business Checks des KSV1870.

Bei der aktuellen Geschäftslage ist die Situation von Branche zu Branche sehr unterschiedlich. Während 56 Prozent der Industriebetriebe ihre wirtschaftliche Situation mit „sehr gut“ oder „gut“ bewerten, sind es im Handel nur 45 Prozentpunkte (37 Prozent 2023). Parallel dazu bewerten 55 Prozent (2023: 60) der Bauunternehmen ihre Situation mit „sehr gut“ oder „gut“.

Nur ein Viertel der Unternehmen erwartet bessere Geschäftslage
Der Ausblick für die kommenden Monate ist hingegen quer über alle Branchen belastet. Nur rund ein Viertel der Unternehmen glaubt an eine Geschäftslage, die sich im Jahresverlauf verbessert. Insbesondere in der Industrie, der Bauwirtschaft und in der Produktion geht jeweils rund ein Drittel der Betriebe davon aus, dass sich heuer kaum bis gar keine Verbesserung der Geschäftslage einstellen wird.

„Die vergangenen Jahre stecken vielen Unternehmen tief in den Knochen. Zudem erreicht die Anzahl an negativen Einflüssen ein Ausmaß, das es den Betrieben erschwert, sich aus der Abwärtsspirale zu befreien“, erklärt Ricardo-José Vybiral, CEO der KSV1870 Holding AG „Dass in solch einer Situation der Optimismus schwindet, kommt wenig überraschend“, so der KSV-Boss.

Inflation und Preissteigerungen auf Lieferantenseite und schlechtes Zahlungsverhalten
Wie aus der KSV1870 Umfrage zudem hervorgeht, sind die Faktoren Inflation, Preissteigerungen auf Lieferantenseite und ein verschlechtertes Zahlungsverhalten jene Aspekte, die den Unternehmen besonders schwer im Magen liegen. Hinzu kommen hohe Energiekosten und häufig eine geringe Auftragslage, die es zu bewältigen gilt.

„Die Ausgangslage könnte besser sein, dennoch liegt es an uns allen, den Wirtschaftsstandort Österreich wieder auf Vordermann zu bringen“, so Vybiral. Angesichts einer sinkenden Umsatzprognose für 2024 dürfte das keine leichte Aufgabe sein. Während für das Vorjahr noch 49 Prozent der Befragten erhöhte Umsätze vermelden, erwarten heuer nur noch 31 Prozent, dass sich die Umsätze weiter steigern.

Der Personalmangel zieht sich quer durch alle Bereiche
Allgegenwärtig in Österreichs Wirtschaft ist auch der Arbeitskräftemangel, wie aus der aktuellen Austrian-Business-Check-Umfrage des KSV1870 hervorgeht. Sechs von zehn Unternehmen (57 Prozent) fehlen Arbeitskräfte, was mittel- und langfristig systemgefährdend sein kann. Der Personalmangel zieht sich quer durch alle Bereiche, besonders stark betroffen sind dabei Gewerbe/Baugewerbe (63 Prozent).

Auch im Gesundheits- und Sozialwesen oder in der Warenproduktion fehlt es an Fachkräften. Die Folgen sind mannigfaltig und wirken sowohl nach innen und außen. Hohe Zusatzbelastungen für bestehende Mitarbeiter, steigende Kosten, um Mitarbeiter zu halten und Umsatzeinbußen infolge von Aufträgen, die aus Ressourcengründen abgelehnt werden müssen, zählen dabei zu den häufigsten Auswirkungen.

Viele Unternehmer:innen und Mitarbeiter:innen sind an ihre Belastungsgrenze gestoßen
„In unseren Gesprächen und Umfragen mit den Unternehmen rückt auch das Thema Gesundheit immer häufiger in den Fokus. Die Zahl jener, die sich aufgrund der anhaltend hohen Belastungen um die körperliche und geistige Fitness ihrer Mitarbeiter aber auch um ihre eigene Gesundheit massive Sorgen macht, wächst“, so Vybiral.

„Sehr viele sind an ihre Belastungsgrenze gestoßen, was nicht nur für die Person selbst oder das jeweilige Unternehmen entscheidend ist, sondern auch die Widerstandsfähigkeit des gesamten Gesundheitssystems auf eine harte Probe stellt. Hier braucht es rasch wirksame Maßnahmen, bevor es zum Kollaps kommt“, betont Ricardo-José Vybiral, CEO der KSV1870 Holding AG.

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red/czaak, Economy Ausgabe Webartikel, 03.05.2024